Geld oder Glück: Was ist dein Ziel im Leben?

Am WG-Küchentisch in München-Schwabing kommt das Gespräch schnell von Mädels-Themen zu den ganz großen Fragen.
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Eva-Maria (links) war die erste Bewohnerin in der WG und hat anschließend Vorstellungsgespräche geführt mit Julia (Mitte) und Sandrina (rechts). Foto: Dominik Hoffmann

Schwabing West – beste Gegend für eine Münchener WG. Das finden auch Julia Waibel (26), Eva Maria Büttner (29) und Sandrina Weiß (28), die sich hier eine charmante Hochparterre-Wohnung teilen. Hotspot der Wohnung: eindeutig Evas Balkon – denn dort finden die lustigen Abende und tiefen „Deep Talk“-Gespräche statt. Im Winter aber auch gerne in der Küche mit Kerzenschein und Weißwein. So wie heute.

Eva: Man muss ja bekanntlich immer klein anfangen. So war das mit der Wohnung hier auch. Als ich vor neun Jahren in die WG eingezogen bin, hatte ich zuerst das kleinste Zimmer. Und heute gehört mir der Balkon. Vor 7 Jahren kam dann Sandrina dazu. Ich wollte eigentlich lieber einen Typen haben, aber Sandrina ist die beste Entscheidung gewesen.

Sandrina: Julia ist im Februar 2014 eingezogen. Wir kennen uns wirklich schon sehr lange und sehr gut. Keine von uns ist irgendwie zickig oder „bitchig“. Eigentlich halten wir immer zusammen. Wir sind auch alle drei in einer Beziehung und das klappt voll gut. Wenn die Männer da sind, wird’s manchmal eng auf dem Balkon, aber das geht schon.

Julia: Klar hat jeder einen anderen Freundeskreis, aber bei uns sind die WG-Türen immer offen – und auch die Kleiderschränke. Das ist sehr praktisch. (lacht)

Julia: Jede von uns hat etwas anderes studiert und wir sind sehr unterschiedlich. Aber das passt trotzdem super. Ich studiere Gesundheitswissenschaften und habe davor mein Jura-Studium abgebrochen. Die beiden Mädels haben mich in der schwierigen Phase sehr unterstützt.

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Von fremden Menschen zu echten Freundinnen: Eva-Maria, Julia, Sandrina (v.l). Foto: Dominik Hoffmann

Eva: Durch meinen Beruf im ambulanten Kinderhospiz haben Julia und ich manchmal Überschneidungspunkte. Wenn ich über meinen Job rede, kann Julia fachlich unterstützen. Und ich rede einfach gern über meine Arbeit. Keine Ahnung, warum. Aber das ist so.

Sandrina: Eva hat einen krassen Job. Wir reden oft darüber – und das ist schlimm manchmal, aber wir sind immer für sie da.

Eva: In meinem Beruf ist es normal, dass man auch einmal weint – wenn zum Beispiel ein Kind verstirbt. Aber es ist auch ganz oft so, dass ich sehr glücklich und dankbar bin, wenn ich abends nach der Arbeit in die WG komme. Ich weiß, dass es so viel Schlimmeres gibt als einen Pickel auf der Stirn, fünf Kilo zu viel auf der Waage oder ein perfektes Weihnachtsgeschenk. Das ist alles so unwichtig.

Julia: Ich finde es sehr positiv, dass wir auch solche Gesprächsthemen haben und nicht die klassischen Mädels-WG-Klischees bedienen. Als ich einmal meinen Lebenslauf geschrieben habe und mir dachte, ich kann nichts im Vergleich zu den anderen CVs, kam Sandrina aus dem Bad mit der Zahnbürste, schaut sich diese CVs an und sagt: Schau mal, was diese Leute sich für einem Stress gemacht haben im Leben. Und da musste ich lachen und war einfach froh, dass Sandrina da war.

Eva: Wir können über alles reden. Vertrauen ist uns super wichtig. Es gibt so viele Unsicherheiten und Dinge, die nicht planbar sind. Da ist es gut zu wissen, wenn man sich auf etwas verlassen kann. Das merkt man im Alltag immer wieder.

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Die Küche ist wie immer der Ort, an dem sich alle treffen. Foto: Dominik Hoffmann

Sandrina: Die Bude ist jetzt nicht mega geil, aber für uns ist sie perfekt. Wir sind Freundinnen geworden, die sich zuhause treffen. Das ist unsere Base hier. Und nicht einfach nur eine Phase im Leben. Du lebst mit diesen Personen. Das ist schon mehr als eine Freundschaft. Wir sind immer füreinander da und können uns absolut auf den anderen verlassen.

Eva: Ich würde viel mehr aufgeben, als was es mir gerade gibt, mit euch zusammenzuwohnen. Der Zusammenhalt und unsere Gespräche über das Hier und Jetzt und die Zukunft sind so wichtig.

Sandrine: Als mich bei einem Bewerbungsgespräch jemand gefragt hat, was meine zukünftigen Ziele sind, war meine ehrliche Antwort: Mein Ziel ist es, zufrieden und glücklich zu sein. Okay, da kam die Absage. Aber gut so.

Eva: Mir geht’s auch nie ums Geld, sondern darum, etwas Wertvolles zu leisten. Ist das nicht der Sinn des Lebens, dass man etwas zurückgibt? Was ist denn schon sicher im Leben? Was sind Ziele? Früher habe ich mir über solche Themen keine Gedanken gemacht. Aber jetzt denke ich schon nach, wie es weiter geht und auf was ich achten muss. Zum Beispiel haben wir jetzt eine Hausratsversicherung. Wenn man sich einmal mit diesen Versicherungsdingen auseinandersetzt, ist es auch gar nicht so kompliziert und trocken – sondern einfach wichtig.

Sandrina: Ja, was ist schon sicher? Was soll ich machen und was lieber nicht? Was soll ich mit meinem Geld machen? In Gold anlegen oder lieber unterm Bett verstecken?

Eva: Da hast du Recht. Wir nehmen es so, wie es ist – und machen uns ein paar mehr Gedanken über die Zukunft. Ihr seid unglaublich starke Frauen. Das wollte ich mal loswerden. Ich glaube, wir alle drei sind starke Persönlichkeiten. Ich bin so froh, dass ich mit euch zusammenwohne.

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Zuhause bei Eva-Maria, Julia und Sandrina (v.l) wird sehr viel gelacht. Sie unterstützen sich gegenseitig in allen Lebenslagen.  Foto: Dominik Hoffmann

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