Der perfekte Eiswürfel

Für einen guten Eiswürfel gilt zunächst das Gleiche wie für einen guten Porsche: Die Hauptqualitäten liegen zwar woanders, aber gut klingen muss er auch.
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Illustration: Julia Schubert

Für einen guten Eiswürfel gilt zunächst das Gleiche wie für einen guten Porsche: Die Hauptqualitäten liegen zwar woanders, aber gut klingen muss er auch. Eiswürfel in einem Glas sollten dezent hoch klingeln, dabei keinesfalls scheppern. Anhand des Klangs macht sich der Kenner durchaus Qualitätsnotizen, denn aus der Veränderung der Tonlage lässt sich auch das Schmelzvermögen der verwendeten Würfel ableiten. Grundsätzliche Aufgabe eines Eiswürfel ist es zu zergehen und dabei dem Getränk Wärme zu entnehmen. Profiwürfel schmelzen keinesfalls zu schnell - so kühlen sie nicht zu stark und verwässern das Getränk nicht zu schnell. Damit das erreicht wird, ist es wichtig, die Eisoberfläche der Würfel klein zu halten. Ein Würfel ist mathematisch gesehen mit einem recht günstigen Verhältnis zwischen Masse und Oberfläche gesegnet. Noch effizienter wären perfekte Kugeln aus Eis, aber die sind schwer herzustellen. Eisstücke in Tannenbaumform oder Würfel mit Hohlkegeln, wie sie in Fast-Food-Restaurants verwendet werden, haben eine große Oberfläche und schmelzen damit viel zu leicht. Für Getränke, die annähernd eine Temperatur von null Grad erreichen sollen, verwendet man das stark kühlende Crushed Eis. Cocktailtrinker mit westeuropäischem Gaumen empfinden aber zumeist eine Trinktemperatur von fünf bis sieben Grad als ausreichend kalt. Auch die Glätte der Würfelflächen spielt eine Rolle, denn wenn die Wände des Würfel angeraut sind, ist die Oberfläche wieder vergrößert und der Würfel zu verletzlich. Die Buchstabenabfolge "L-G-S" lassen sich erfolgreiche Eiswürfelfabrikanten in den Grabstein meißeln, sie steht für „Luftfrei, Gasfrei und Salzfrei“ und damit für alle Attribute die ein makelloser Eiswürfel aufweisen muss. Die Einhaltung dieser Standards bereitet in heimischen Tiefkühlfächern Probleme, denn immer ist hier mindestens ein bisschen Kalk im Wasser. Dem ambitionierte Privateiswürfler wird empfohlen, sich aus Fisher Price-Technik eine Vorrichtung zu bauen, die das Wasser beim Frieren sacht rüttelt, was zu besseren Ergebnissen führt, genau wie ein langsameres Frieren. Absolute Durchsichtigkeit ist in der Königsklasse der Eiswürfel selbstverständlich, ebenso wie eine annähernd perfekte Kantenlänge von drei Zentimetern. Eisexperten bestellen übrigens nur in sehr guten Bars und Restaurants Getränke mit Eis, bei Betrieben mittleren Anspruchs sind Eiswürfel aufgrund anfälliger Eismaschinen und schlampiger Fertigungstechnik hygienisch brisanter als der Wirtsdackel. Ebenso abzuraten ist vom Genuss modischer Eisattraktionen wie zum Beispiel „Original Grönlandeis“, das in einigen Bars angeboten wird. Dieses Eis ist mit großer Wahrscheinlichkeit vor tausend Jahren nicht unter Beachtung lebensmittelhygienischer Bedingungen gefroren. Und Möwendreck schmeckt aufgetaut wieder wie neu. Wer jetzt auf den Appetit gekommen ist: Hervorragende Eiswürfel fertigt seit 45 Jahren zum Beispiel die Firma Eis-Winter in Offenbach und liefert sie im gesamten Bundesgebiet aus. Das Foto zeigt eine Produktprobe.

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