Der Zukünftige

Am Samstag eröffnet in Düsseldorf eine Ausstellung über den Designer Joe Colombo
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Illustration: Julia Schubert

Joe Colombo im Sessel Elda, ca. 1967 Ignazia Favata/Studio Joe Colombo Neben Verner Panton und dem Ehepaar Eames war der italienische Designer Joe Colombo der wichtigste Ideengeber für das Design der sechziger und siebziger Jahre. Er begründete einen Stil mit, der heute als goldenes Zeitalter des Retro überall wiederscheint und in seiner lasziven Formsprache immer noch erregt. Mit organischen Silhouetten, Raumschiff-Interiors und einer Farbskala, die das ganze Pantone-Spektrum ausschöpft, beförderte sich der Autodidakt Colombo ab 1962 fast über Nacht in die erste Reihe der Formgeber. Vieles was er entwarf, wurde zum Designklassiker, steht heute in zeitgenössischen Sammlungen und erzielt auf Auktionen Preise, die eklatant über dem Materialwert des verwendeten Plastiks oder Schichtholz liegen. Bei allem Futurismus zeichnen sich Colombos Möbel durch vollendete Funktionalität und hohen Gebrauchswert aus. Der „Boby“-Rollcontainer zum Beispiel, ein bis heute gebauter Colombo-Bestseller, ist eine überaus praktische Kunststoffkommode, die wie in ein hungriger Roboter Herumfliegendes formschön verstaut und das sowohl im Bad als auch unter einem Schreibtisch. Die Vorliebe zu Funktionalem ließ Colombo auch zahlreiche Industriedesigns erarbeiten, er schuf Uhren, Skibindungen oder Teller und Besteck für die Fluglinie allitalia. Sich selber gestaltetet Colombo als Dandy, der stets mit Pfeife und perfekt getrimmten Bart Exzentrik und Distinktion genauso gut vermengte wie seine Entwürfe. Viel zu früh starb Colombo 1971 an seinem 41. Geburtstag - in der Blütezeit seiner selbstgeschaffenen Epoche. Die erste große Joe-Colombo-Retrospektive eröffnet am Samstag im Vitra Design Museum in Weil am Rhein. Originalstücke, Prototypen, Architekturmodelle und Bilder des wegweisenden Designers sind dort bis Herbst 2006 zu besichtigen.

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