Falte mir ein Rad

Vorweg: Falt- oder Klappräder gehören natürlich nicht in den gleichen Verachtungstopf wie Liegefahrräder.
max-scharnigg
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Illustration: Julia Schubert

Vorweg: Falt- oder Klappräder gehören natürlich nicht in den gleichen Verachtungstopf wie Liegefahrräder. Das Klapprad, ein uraltes Prinzip, erfuhr in den letzten Jahren wieder wachsende Anerkennung, die dem Liegefahrrad hoffentlich auch weiterhin verwehrt bleibt. Ein Klapprad ist praktisch, weil man es zusammenknüllen kann und es dann wie ein kleiner Hund bei Fuß steht - im Zug oder im Flugzeug und vor allem auch im Auto. Es erspart entwürdigende Fahrraddachständer und das Gefummel daran. Über die praktischen Talente hinaus, taugt ein gutes Faltrad auch als Alleinfördermittel. Es ist das einzige selbstbetriebene Gefährt, auf dem ein Gentleman im Anzug und Mantel nicht albern sportiv oder sonst wie freizeitig wirkt, sondern aufrecht sitzend in die Oper fahren kann und nebenbei perfektes Understatement demonstriert. Irrglaube ist es, auf einem Klapprad müsse man sich wegen der kleinen Räder sehr abmühen, um vorwärts zu kommen –die Übersetzung ist an die Größe der Räder angepasst. Trotzdem hat man nicht gerade ein Tour de France - Erlebnis, sondern fühlt sich vielmehr wie ein gesunder, kleiner Fisch im Großstadt-Aquarium. Vortrefflich schöne und stabile Falträder mit geradezu magischem Klappkonzept stellt die Firma Brompton im Westen Londons her. 1975 nimmt die Produktion dort als visionäres Ein-Mann-Projekt ihren Anfang, mit dem Ziel, das legendäre Bickerton-Faltrad zu verbessern. In seinem Schlafzimmer schraubt der Brite Andrew Ritchie die ersten Prototypen zusammen und in den Pausen schaut er aus dem Fenster auf die Kapelle von Brompton - schon haben die Räder ihren Namen. Nach dieser Taufe hängt sich Herr Ritchie ans Telefon und überredet Freunde und Bekannten, ihm eines seiner wundersamen Falträder abzukaufen – 30 Stück bringt er so unter die Hintern und das werbewirksame Herumradeln dieser kleinen Flotte hat Erfolg. Bis 1982 verkauft Ritchie etwa 500 seiner Fahrräder, ist damit aber immer noch weit vom Profit entfernt und sieht sich deswegen gezwungen, das Klapprad-Projekt erst mal einzustellen. Erst 1988 kriegt der Brite wieder genug Investitionskapital, um richtig zu produzieren. Seitdem rollen seine Räder von London aus erfolgreich in eine kultumkränzte Zukunft. Mittlerweile ist das Klapppatent des Brompton perfekt, mit Sechsgang-Getriebe, sauberem Stahlrahmen und gefedertem Hinterrad steht es einem ausgewachsenen Fahrrad kaum nach. In acht Sekunden entklappt und verriegelt man ein Transportmittel, das vorher auf die Größe eines Schulranzens geschrumpft war. Groß ist das Entzücken in den S-Bahn-Waggons und schneidig fährt der Klappradbesitzer auf kleinen Rädern allen davon.

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