Mode vom Berg

Der alpine Mensch eignet sich zum Helden, denn man schaut als Flachländer schon naturgemäß zu ihm auf, wenn er auf Ski heruntersaust oder am Seil hinan stürmt.
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Illustration: Julia Schubert

Der alpine Mensch eignet sich zum Helden, denn man schaut als Flachländer schon naturgemäß zu ihm auf, wenn er auf Ski heruntersaust oder am Seil hinan stürmt. Außerdem ist der Älpler wettergegerbt, wird hundert Jahre alt und verfügt über urig-charmantes Naturell. Diese Attribute stehen auch Anoraks und Pullovern nicht schlecht, deswegen spannen sich gleich zwei junge Modemarken eine Bergikone vor den Kleiderkarren. Luis Trenker Die Firma Luis Trenkeraus Südtirol sieht sich in der direkten Tradition des legendären Bergfilmers, Kletterers und Schauspielers Trenker, der wie kein anderer den eloquenten Almburschen verkörperte, bis er 1990 mit fast hundert Jahren starb. Die ambitionierten Luis Trenker-Kollektionen sind demnach ein Panaschee aus Retro-Rustikalem und Eleganz: Filz wird mit Pelz, Hirschhorn mit Krawatte kombiniert, das Ganze nach der alten Skilehrerregel, am besten in mehreren Schichten übereinander. Hält warm und sieht gut aus, vor allem zur Jeans. Die Kollektionen zieht ihre Einflüsse angeblich aus Stationen des bewegten Lebens von Luis Trenker, der unter anderem auch in Hollywood Western drehte oder in seiner Heimat als Architekt arbeitete. Zu den olympischen Winterspielen, die im Februar in Turin beginnen, kleidet Luis Trenker das brasilianische Wintersport-Team ein. Die Sportler bekommen dazu einen Luis Trenker-Hut und eine hübsche Retro-Gletscherbrille aufgesetzt, stilgetreu vervollständigt mit Knickerbocker. Über die südamerikanischen Gesellen die seinen Seppl-Hut tragen müssen, hätte der Trenker sicher wie ein Urviech gelacht. Toni Sailer Zuverlässigkeit und Nostalgie legen auch die Designer von Toni Sailer Sportsihren Klamotten in die Wiege. Der Namensgeber war 1956 dreifacher Olympiagewinner im Alpinskilauf und als „der schwarze Blitz von Kitz“ einer der ersten richtigen Sportsuperstars. Der Sailer Toni fährt heute immer noch Ski, und zwar als Skilehrer bei den legendären „Roten Teufel“ der Skischule Kitzbühel, wo schon Generationen von Schicki-Piefkes das Wedeln lernten. Die Funktionsjacken und Pullover des deutschen Toni Sailer-Labels gefallen mit ansprechend knapper 60’s-Passform und ausgesucht gutem Material, das einem warmen und trockenen Skitag förderlich sein soll. Die Teile sind ziemlich preisintensiv, aber auch zeitlos schmuck und ergatterten bereits im ersten Jahr einige Auszeichnungen.

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Illustration: Julia Schubert

Freilich, der Sailer selber ist ja immer im schlichten, schwarzen Skianzug die Streif runtergefahren, ohne all die Polartec-Membrane und Derzimax-Streche, für die heute sein Name wirbt. Aber der war ja auch ein alpiner Held. Fotos: Luis T. GmbH und Toni Sailer Sports

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