Sind so kleine Hemden

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Mode für den Säugling: Rock Star Baby Tico Torres, Schlagzeuger bei Bon Jovi, wird „auch in der Welt der Künste, als Maler und Bildhauer hoch geschätzt.“ Seine Website (www.rockstarbaby.com) lehrt uns, dass der Star-Drummer auf sämtlichen Modeschauen von Paris bis Tokio gewesen ist. Selbstredend, dass dem kreativen Multitalent dort nicht entgangen ist, dass der Nachwuchs der Promis völlig gleich aussieht: „Er fühlte, dass etwas fehlte. Etwas neues, etwas anderes.“ Tico Torres wendet sich also ab vom Babymoden-Mainstream der Pastelltöne, setzt sich „gute Qualität und zeitlose Schnitte“ zum Ziel und kreiert seine eigene Krabbelkollektion. Das Ergebnis: Diabolisch anmutende Totenkopf-Schnuller, Strampelanzüge und Nuckelflaschen mit „Rock Star“-Emblem und Baby-Hemdchen mit täuschend echt wirkendem Tattoo-Muster am Arm. Zwischen Flammen und Rockersternen taucht immer wieder das Labelmotto auf: „Born to be my Baby“.

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Illustration: Julia Schubert

Mode für den Kindergarten: J.LO Im Alter zwischen 4 und 7 Jahren erfreuen sich Jungs oft an Aktivitäten wie Playmobil-spielen, unbemerkt-in-den-Sandkasten-pinkeln und Mädchen-in-den-Sandkasten-schubsen. Mädchen in dem Alter sind meist rosa gekleidet, tragen Barbie-Haarspangen und machen Dinge wie Puppen-kämmen und Sofort-losheulen-und-petzen. Genau dieser, aus Jungsaugen besonders grauenhaften, Phase der Mädchen-Kindheit hat sich Jennifer Lopez in ihrer Kinderkollektion gewidmet. Doch anstatt ihren Einfluss als Weltstar und ihre Vorbildstellung zu nutzen, um mit ollen Klischees zu brechen, drängt Lopez die Mädchen dieser Welt nur noch tiefer in die Tussi-Barbie-Heul-doch-Ecke. Die Bandbreite von J.LOs Farbpalette reicht von schweinchenrosa bis prinzessinnenpink, und schleicht sich doch mal ein wenig olivgrün in ein Jäckchen oder Höschen, wird es durch verkitschte Blumen-Stickereien sofort wieder neutralisiert.

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Illustration: Julia Schubert

Mode für die Grundschule: Sean John Sean „P. Diddy“ Combs pflegt sein Bad-Boy-Image wie Bastian Schweinsteiger sein Kopfhaar: bemüht, aber nicht besonders glaubwürdig. Schießereien, illegaler Waffenbesitz und Gerichtsverfahren sollen immer wieder beweisen, dass der Rap-Millionär immer noch „von ganz unten“ kommt. Doch genau wie man „Schweini“ das Beckham-Image nicht ganz abnimmt, wird „Puffy“ von den Gangstern der Straße als Weichei belächelt. Kommt man, auf der Suche nach Bad-Boy-Mode, auf die Website seines Fashion-Labels www.seanjohn.com, wird klar warum: Man sieht einen aalglatten Kurzhaar-Weißen (Typ College-Quarterback), daneben Fotos von Puffys neuem Fifth-Avenue-Store, seinem Parfüm und seinem Lederschuh „BlackElite“. Klar, dass die Street-Credibility unter so viel glitschigem Style leidet. Umso schöner ist es, dass wenigstens die Kindermode von Sean John noch richtig nach Getto riecht: grimmig dreinschauende, halbschwarze Zwölfjährige posieren in Gangster-Wear, die aussieht wie eine gelungene Mischung aus Basketballtrikot und Judo-Anzug.

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