Stilogramm: Der große Reiz des "Make Over"

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Dieses Prozedere trägt den schönen Namen "Make Over" und ist eigentlich nur eine Entschuldigung für ein Fest der Emotionen. Immer werden da heiße Tränen vergossen, weil ausgerechnet die jahrelang gepflegten Mähnen ratzeputz abrasiert werden. Kein Haar bleibt auf dem anderen, mitunter werden an die Vorhandenen noch künstliche angeklebt. Die Zähne werden gerichtet und geweißt, Augenbrauen zu Bögen gezupft, Augenschatten weggeschminkt und der Moment, in denen die Opfer dieses Verwandlungs-Zinnobers ihr neues Antlitz im Spiegel erblicken, ist immer wieder emotionaler Höhepunkt für Zuschauer und Protagonisten. So viele entgleiste Gesichtszüge und so viel Begeisterung treibt einem schon mal Tränen der Rührung in die Augen. Das Prinzip „Aus Pfui mach Hui“ funktioniert nicht nur bei Casting-Shows. Unzählige Fernseh-Sendungen sind nach dieser Masche gestrickt. Neben unglücklichen Hausfrauen, denen der „Starfrisör“ dank einer frechen Rot-Tönung neuen Lebensmut einflößt, werden auf sämtlichen Kanälen auch Wohnungen, Häuser und Lebensläufe geschönt. Man nehme eine unordentlich eingerichtete Wohnung mit viel Eichenfurnier, dankbare Bewohner und ein Team von Handwerkern, die sich bestens aufs Verkleiden von Gegenständen verstehen und schon ist mit Hilfe einiger Kubikmeter Sperrholz und der Heißklebepistole eine ganz neue Wohnung entstanden. Zugegeben: Eine, die vermutlich schon nach zwei Wochen anfängt, an wichtigen Ecken und Kanten auseinanderzufallen, aber die Freude der Bebastelten ist immer gleich groß und immer auch gleich echt. Der Grund? Vermutlich die ganz einfache und trotzdem schöne Wahrheit, dass auch in der kleinsten Hütte Platz ist für eine dekorative Vase. Und dass auch das verlebteste Gesicht mit ein paar federleichten Fransen so etwas wie Kontur bekommt. De Faszination des Make Overs liegt im Grunde darin, dass wir uns beim Zuschauen der Illusion hingeben können, dass mit ein wenig Farbanstrich jeder Mensch schön werden kann und jede Bude ein Wohnparadies. Diese Hoffnung auf die totale Veränderung des Menschen und seiner Umgebung hilft uns zuletzt doch immer wieder, den Hintern vom Sofa zu kriegen und zu versuchen, uns zu ändern. Das Problem ist nur: Die vorgenommen Veränderung erscheint auf den ersten Blick radikal, doch am Ende steckt immer noch derselbe Mensch mit dem selben Gesicht in der neuen Haut und dem wird es nicht anders ergehen, wie jedem normalen Menschen am Tag nach dem Friseur-Besuch: Aus der schicken Föhnfrisur mit Ecken und Kanten wird nach der ersten Haarwäsche wieder das, was vorher auch auf dem Kopf war: ein Haufen Haare ohne Sinn und Verstand. Und ist das aufgespachtelte Make Up erst einmal abgewaschen, sieht der Mensch gleich wieder ganz normal aus. Wie viel Spaß es trotzdem machen kann, sich und der ganzen Welt einen neuen Farbanstrich zu verpassen, kann man auf taaz.com feststellen. Dort kann man sehr ausführlich ausprobieren, wie einem denn nun lila Lidschatten, eine Kurzhaarfrisur oder grüne Augen stehen würden. Ein paar Beispiele findest du in der Bildergalerie:

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