Tiffany&Co

Was der Nobeljuwelier mit ebay zu schaffen hat
max-scharnigg
Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Wenn sich je eine Firma wie ein Gentleman verhalten hat, dann der Großjuwlier Tiffany in der Schlüsselszene des Films „Breakfast at Tiffanys“ (1961). Mit einer Barschaft von zehn Dollar stürmt das zartverliebte Pärchen Paul und Holly in den schon damals ehrwürdigen Juwelierladen und möchte unbedingt etwas kaufen. Der Verkäufer erwägt freundlich die Möglichkeiten und bietet eine Gravur an, die dann auch anstandslos und korrekt auf einem Spielzeugring aus Blech ausgeführt wird, den Paul in der Tasche hatte. Es ist anzunehmen, dass sich das Geschäft in der Fifth Avenue No. 727 nach dem weltweiten Filmerfolg auch in Wirklichkeit mit solchen Wünschen konfrontiert sah und es ist ebenfalls anzunehmen, dass auch ohne Filmkamera ähnlich verfahren wurde. Edles Gemüt gehört zu edlem Schmuck und der Schmuck von Tiffany&Co zählt neben dem von Cartier (Fifth Avenue No. 653) und Harry Winston (Fifth Avenue No.718) zum edelsten der Welt. 1837 wurde das Unternehmen Tiffany in New York gegründet mit einem Geschenksortiment und der damals äußerst unüblichen Ankündigung, dass Tiffany-Preise fest und nicht verhandelbar seien. Das gilt bis heute, auch wenn wohl selten jemand auf die Idee kommt, die exklusiven Boutiquen mit Verhandlungsabsichten zu betreten. In den Jahrzehnten nach ihrer Gründung zeichnete sich die Firma Tiffany besonders durch Festlegung auf einen neuen Standart für Silber aus - sie verwendete ausschließlich das 925er Sterling, das später in den USA ganzheitlich als Standart gesetzt wurde. Im amerikanischen Bürgerkrieg unterstützte Charles Tiffany, der damals schon „König der Diamanten“ genannt wurde, die Truppen der Nordstaaten mit Schwertern und chirurgischem Besteck. Aufsehen erregte 1878 der Kauf eines des größten gelben Diamanten der Welt (128,51 Karat), der nach seinem Schliff als „Tiffany“-Diamant in die Schmuckgeschichte einging. Tiffany Schmuck gehört bis heute zu den Luxusgütern, die jenseits aller Moden existieren und zur Pflichtausstattung der gehobenen Garderobe gehören. Bei einem klassischen Heiratsantrag gibt es nur zwei erlaubte Verlobungsringe, entweder einen von Tiffany&Co oder das Modell „Trinity“ von Cartier. Die Tiffany-Verkaufsräume (Innentemperatur konstant 21,2 Grad) bieten heute nicht mehr nur noch Schmuck, Colliers aus echten Südseeperlen und Silberbesteck an, sondern auch Accesiors-Kollektionen und ausgewähltes Tischgedeck, zu dessen Zulieferern unter anderem der österreichische Glashersteller Riedel gehört. Obwohl die Qualität und Eleganz aller Tiffany-Produkte natürlich nicht zu fälschen sind, sah sich das Unternehmen in den letzten Wochen genötigt, den Online-Auktionator eBay zu verklagen, um gegen die ungenügende Ahndung der dort gehandelten falschen Tiffany-Produkte vorzugehen. Zwischen ehrlichem Blechring wie im Film und trügerischem Silberring in der Online-Auktion, wird in der Fifth Avenue eben doch sehr genau unterschieden. Bild: Tiffany&Co

  • teilen
  • schließen