WM-Essen: Die Ecke des Monats von Müller

Die WM verändert alles, auch unsere Essgewohnheiten. Diese Woche stellen wir jeden Tag ein Lebensmittel vor, das auf einmal etwas mit Fußball zu tun haben soll.
max-scharnigg
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Illustration: Julia Schubert

Bei der Ecke des Monats des Großmolkisten Müller handelt es sich laut Produktaufdruck um „133g Joghurt grüner Apfel-Vanillegeschmack+17g schokolierte Knusper-Balls.“ Die Zahlen haben nichts mit der WM zu tun. Auf die Verpackung, die in ihrem Aufbau den klassischen Knusperecken-Selbermisch-Packungen folgt, sind die deutsche Nationalflagge sowie allerlei Bälle layoutet, außerdem das Wort "Weltmeister". Pistaziengrün offenbart sich nach dem Öffnen die Joghurtmasse - das angestrebte satte Grün eines Rasenplatz wird nicht erreicht. Die hineinzuknuspernden „Bälle“ sind auch nicht rund, sondern unförmig wie abgerollte Kieselsteine bis nahezu tropfenförmig, dabei schwarzweiß gemustert. Der Joghurt ist von wässriger Konsistenz (Regenplatz?). Bevor das Spiel losgehen kann, bevor also die schokolierten „Bälle“ in das grüne Vanille-Apfel geschüttet werden können, muss die Deckelfolie vollständig abgerissen werden, da sonst der Knickvorgang nicht regelkonform ausgeführt werden kann. Die Deckelfolie ist auf der Joghurtseite wie bei diesen Produkten üblich, dick mit Joghurtmasse beschmiert und muss vor dem Entsorgen abgeleckt werden - unpraktisch im Stadion und eher was für den Kacheltisch daheim. Eben dieser Deckel soll aber, so liest man am Rand des Bechers, später noch gegen eine Prämie getauscht werden können, über deren nähere Beschaffenheit die Homepage des Konzerns unterrichtet. Die Marketingmenschen rechnen also damit, dass „Ecke des Monats“-Konsumenten die Schutzfolie gründlich reinigen (mit etwas warmem Wasser und milder Seifenlösung oder Kindershampoo) und zur späteren Einlösung im Geldbeutel herumtragen. Sehr hübsch kullern dann die Bälle in den grünen Quark und gehen darin unter, wie die deutsche Mannschaft im Achtelfinale. Die von der Fa. Müller erdachte Geschmackskombination leidet unter dem überbordenden Aroma künstlicher Vanille, der grüne Apfel ist quasi gar nicht mehr existent. Der Knuspereffekt tritt mit Einschränkungen ein – die breiige Melange aus Joghurt und Knusperkugel im Mund knuspert ja nicht trocken, sondern katscht eher dumpf und feucht. Schlucken geht aber leicht, der Sättigungsgrad bleibt vage und im Abgang bleibt ein milchig grüner Film auf der Zunge - stummer Zeuge einer erlebnisorientierten Fan-Speise.

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