WM-Essen: Die Fußballwurst

Die WM verändert alles, auch unsere Essgewohnheiten. Diese Woche stellen wir jeden Tag ein Lebensmittel vor, das auf einmal etwas mit Fußball zu tun haben soll.
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Illustration: Julia Schubert

Die Packung liegt „im originellen Fußballdesign in der praktischen 2x75g-Tiefziehschale" gut in der Hand, würde man sie zusammenfalten, sie hätte eine Fußballform. Andererseits: Wozu? Sind doch die Bälle beim Tippkick auch eckig: SNÄKX Mini-Fußballwürstchen von Reinert , dem offiziellen Lieferanten der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und des Deutschen Fußball-Bundes, sind „… auch heiß ein Riesenspaß!" verspricht ein Kasten auf der Verpackung. Man fragt sich, wann man denn das letzte Mal mit Würstchen einen Riesenspaß hatte, egal ob heiß oder kalt, kommt dann allerdings recht schnell zum Schluss, dass man MIT Würstchen noch nie Spaß hatte, höchstens nach dem Genuss VON Würstchen einfach keinen Hunger mehr. Gut, Spaß hatte man vielleicht auch, aber das hatte ursächlich nichts mit den Würstchen zu tun. Zusätzlich verkündet ein Aufkleber mit dem irgendwie schlecht computerbearbeiteten Gerald Asamoah: „Ab jetzt wird mit einem neuen Ball gespielt!" Dass das die FIFA das erlaubt! Und was sagt Adidas dazu? Was passiert mit „+Teamgeist", dem vermeintlich offiziellen Ball? Wird mit kalten, oder heißen Fußballwürstchen gespielt? Wie wirkt sich das auf die Flugeigenschaften aus? Wurde deswegen Lehmann statt Kahn zum Stammtorwart bestimmt? Alles Fragen, die man auch der Firma Reinert am Service-Telefon stellen kann, und zwar Mo. – Fr. 9.00 – 15.00 Uhr unter 05423/966-310. Dank an Reinert! Statt eine teure Info-Line zu schalten, gibt’s Antworten zum Ortstarif. Die Würstchen selbst sehen wirklich aus wie Fußbälle, also wie früher Fußbälle aussahen, bevor Designer darüber hergefallen sind. Nur die Farbgebung ist modifiziert. Die schwarzen Leder-Sechsecke sind zungenwurstwurstfarben, die weißen Ledersechsecke hellaufschnittfarben. Bei der Fußballminiwurst gilt nicht das althergebrachte Sprichwort, dass alles ein Ende habe, nur die Wurst zwei – es fehlen die Zipfel! Aber Fußbälle haben und hatten ja auch keine Zipfel, jedenfalls konnte André Heller zum Glück davon abgehalten werden, solche Zipfelbälle im Lasergewitter auf seiner Eröffnungsfeier zu präsentieren. Geschmacklich hat man keine besonderen Freuden auf Zunge und Gaumen. Die Fußballwürstchen schmecken wie jede andere eingeschweißte Kühlregalwurst. Es ist zu empfehlen, die Würstchen kalt zu sich zu nehmen. Zwar findet man auf der Homepage von Reinert allerhand spaßige Kochrezepte wie „Blitzgulasch" oder „Kugelgratin" (sic!), doch muß gesagt werden, dass die ästhetisch ansprechenden Wurstbälle besonders nach dem Backen nicht mehr viel Ähnlichkeit mit einem Fußball haben, sondern eher an einen verschmorten Tumor erinnern. SNÄKX, die Mini-Fußballwürstchen von Reinert, gibt es im gut sortierten Fachhandel, manchmal sogar zum Sonderpreis von nur 79 Cent (wenn das Verfallsdatum kurz davor ist, abzulaufen).

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