Als ob ein Stück Seele wandert: Vor 40 Jahren wurde erstmals ein Herz verpflanzt

Das Herz wird im europäischen Kulturraum seit der Antike als Organ der seelisch-geistigen Lebensmitte gedeutet. Es ist zugleich der subjektiv empfundene Ort des emotionalen "Ich", Mittelpunkt des Körpers und Sitz aller Lebenskraft. Diese Bewertung des Herzens ist noch heute, in einer aufgeklärten Welt, trotz besseren Wissens um die Bedeutung des Gehirns unumstritten. Auch der Mensch des 21. Jahrhunderts leidet emotional im Oberbauch, in Herznähe also. Liebeskummer und Trennungsschmerz wird dort empfunden, nicht im Kopf. Und wer vertraute nicht heute noch Antoine de Saint-Exupérys berühmtem Ausspruch "Man sieht nur mit dem Herzen gut"? Vor diesem Hintergrund wird das Spektrum vielfältiger Ängste im Umfeld von Herzerkrankungen und der Kulturschock, den die erste erfolgreiche Transplantation eines menschlichen Herzens am 3. Dezember 1967 auslöste, in seiner ganzen Tiefe verstehbar.
dana-brueller

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