Das Leihlama für Ausgebrannte - Manager spannen aus

Im Engadin nehmen Manager die genügsamen Tiere an die Leine, um zu sich selbst zurückzufinden Wenn man zum Beispiel am Freitag freinähme und von, sagen wir, Gräfelfing in die Münchner Innenstadt führe, von dort aber, statt ins Büro zu gehen, in die S-Bahn zum Flughafen stiege, den Flug LX 1101 von München nach Zürich nähme, dort, nach Verkostung eines maßlos überteuerten, dafür echt schweizerischen Latte Macchiato, mit der Rhätischen Bahn (oder wie wir Rätoromanen sagen: der Viafier retica) um 11 Uhr 13 über Landquart nach Scuol reiste, wo man bereits nach 64 Minuten ankäme, um dann mit einem herzlichen "Allegra!" von der Hotelchefin Gina Ackermann begrüßt zu werden, die einen sogleich in den schönsten Serpentinen noch ein Erhebliches höher am Talhang hinaufbeförderte; wenn man also diesen ganzen Aufwand nicht scheute, dann gelangte man, nach geschätzten acht Stunden Anreise, direkt ins Paradies und dort rechtzeitig in die letzten heiteren Sonnenstrahlen auf der Terrasse des gleichnamigen Hotels und könnte mit der Behandlung der Ausbrennkrankheit beginnen.
henrik-pfeiffer

Diesen Text aus der Süddeutschen Zeitung kannst du hier leider nicht mehr lesen, er ist aber noch im Archiv der Süddeutschen Zeitung zu finden.

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