Frauen auf der Viennale - Stephanie Rothman, Nina Menkes

Die Welt als Tatort präsentierten einige internationale Filme im Programm der diesjährigen Viennale. Eine Welt am Abgrund wird beschrieben, analysiert und seziert in einem Kino zwischen Verunsicherung und Selbstreflexion. Barbet Schroeder etwa zeichnet in seinem Dokumentarfilm "L'Avocat de la terreur", der einem unglaublich spannenden film noir gleicht, das Porträt von Jacques Verges, der sowohl Linksterroristen wie auch den Naziverbrecher Klaus Barbie verteidigt hat. George A. Romero verkündet in seinem mächtigen kleinen Direct-cinema-Film "Diary of the Dead" den Untergang der Welt und den Tod des Kinos. Sehr plakativ und etwas angestrengt untersucht Nicholas Klotz in seinem Film die allumfassende "Question humaine", wobei er die Funktionsweise der heutigen Arbeitswelt mit Nazi-Methoden vergleicht. Einer der schönsten Filme des Festivals, der japanische "Ai no yokan" von Masahiro Kobayashi, zeigt in ruhigen, kontemplativen Bildern, wie der Vater eines Mordopfers und die Mutter der Täterin langsam zueinander finden, ohne Worte, quälend und zärtlich zugleich."Ai no yokan" kann man etwa übersetzen mit "Eine Ahnung von Liebe", eine zutreffende Definition auch für ein Kino der poetischen Spannung, wie es auf der Viennale stets vertreten ist.
dana-brueller

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