Skandalissimus

Von Ludwig Thoma bis zum Joystick im Vatikan: Eine Chronik angeblicher Gotteslästerung Im Herbst 1904, das ist zugegeben schon etwas länger her, fand in Köln die XVI. Allgemeine Konferenz der deutschen Sittlichkeitsvereine sowie der Internationale Kongress gegen die unsittliche Literatur statt, um, was sonst, dem allgemeinen Verfall der Werte Einhalt zu gebieten. Ein mitfühlender Zeitgenosse schickte den Moralwächtern ein gereimtes Grußwort, in dem es unter anderem hieß: "Was wissen Sie eigentlich von der Liebe/Mit Ihrem Pastoren-Kaninchentriebe,/Sie multiplizierter Kindererzeuger,/Sie gottesseliger Bettbesteuger?" Weil der Autor zur Übermittlung seiner Verse nicht die Post wählte, sondern sie gleich in der Zeitschrift Simplicissimus drucken ließ, erregten sie Aufsehen und brachten den Verfasser wegen Beleidigung (der Vorwurf der Religionskritik wurde fallen gelassen) für sechs Wochen nach München-Stadelheim.
christoph-koch

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