Es gibt eine Pille gegen Angst – würdest du die nehmen?

Und noch wichtiger: Wem würdest sie gerne verabreichen? Die Tagesfrage.
Foto: Patrick Pleul/dpa

Wer Angst hat, ist für sachliche Argumente nur selten zu haben - das zeigt sich in Deutschland zur Zeit besonders deutlich in der Debatte um die Silvesternacht in Köln, auf Pegida-Kundgebungen und in Äußerungen von AfD-Politikern in Talkshows. 

Wer eine Angststörung hat, der möchte sie in der Regel gerne loswerden. Doch bisher war es nur möglich, Ängste durch Konfrontationstherapie zu bändigen, sie loszuwerden nicht. Das liegt daran, wie Angst im Gehirn verankert ist: Wer Angst vor dem Fliegen hat, hat eine emotionale Erinnerung, die eine Verbindung herstellt zwischen Fliegen und schrecklichen Unglücken - auch wenn derjenige noch nie selbst ein negatives Erlebnis beim Fliegen hatte. Und je öfter derjenige sich mit dieser Angst beschäftigt, desto fester wird die Assoziation „Fliegen = Horror“ in seinem Gehirn verankert.  

Doch nun hat die Psychologie-Professorin Merel Kindt an der Amsterdamer Universität eine Studie veröffentlicht, die nahelegt, dass sich mit Medikamenten  eine Angststörung verhindern lässt. Für die Studie teilte sie 45 Probanden in drei Gruppen auf. Zwei Gruppen bekamen eine große Spinne in einem Glas zu sehen, den Probanden einer Gruppen wurde danach ein Beta-Blocker namens Propranolol verabreicht, der anderen wurde ein Placebo gegeben. Die dritte Gruppe der Studien-Teilnehmer bekamen Propranolol verabreicht, ohne die Spinne zu sehen.

 

Das Ergebnis war eindeutig: Die Probanden, denen das Medikament nach dem Kontakt zur Spinne verabreicht wurde, waren in der Lage, die Spinne zu berühren und nach einiger Zeit sogar auf die Hand zu nehmen. Die anderen Teilnehmer der Studie - sowohl die Placebo-Patienten, als auch die ohne Kontakt zu einer Spinne, konnten ihre Angst vor Spinnen nicht verringern. Durch die Gabe des Beta-Blockers wurde die emotionale Erinnerungskette unterbrochen - und die Probanden konnten ihre Angst gezielt konfrontieren. 

 

Jetzt mal abgesehen von Flugzeugen, Spinnen und Aufzügen - herrscht momentan in unserem Land auch auf anderen Gebieten Angst: Angst vor Fremden, Angst vor Islamisierung, Angst vor der Lügenpresse, Angst vor Menschen, die eine Beatrix von Storch ins Europaparlament geschickt haben. Könnte man nicht vielleicht einen Großteil unserer momentanen Probleme ganz einfach lösen, indem wir unser Trinkwasser großzügig mit dieser Pille versetzen? Oder würde uns das unserer deutschen (furchtsamen) Identität berauben? 

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chwae

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