Dürfen Forscher mit Embryonen genetische Experimente durchführen?

In Großbritannien soll das jetzt erlaubt werden. Die Tagesfrage.
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Menschliche Embryonen unter dem Mikroskop.

Foto: Reuters/Montage: jetzt.de

Es muss nur noch eine Ethik-Kommission zustimmen, dann dürfen Forscher in Großbritannien das Erbgut von Embryonen verändern - bislang einmalig auf der Welt. Die britische Behörde für künstliche Befruchtung und Embryologie (HFEA) hat den Antrag der jungen Stammzellenforscherin Kathy Niakan angenommen.  

Ihr Ziel: zu erforschen, welche Gene notwendig sind, damit ein Kind sich gesund entwickelt, krankmachende Gene herauszuschneiden und durch andere zu ersetzen - und in der Zukunft vererbliche Krankheiten besser behandeln zu können. Seit wenigen Jahren können Forscher die Erbsubstanz kostengünstig und präzise beschneiden. Diese  "genome editing" ist bisher nur bei Tieren und Pflanzen erlaubt.  

Für die Experimente will Niakan überzählige Embryonen aus künstlichen Befruchtungen (IVF) nehmen. Die entstehen, wenn mehr Eizellen befruchtet, als der Frau später eingepflanzt werden (es ist auch möglich, die überzähligen Embryonen an andere Frauen zu spenden).

Was die Embryonen für Niakas Forschung angeht: Sie dürfen in keine Gebärmutter eingepflanzt, und müssen per Gesetz nach zwei Wochen zerstört werden. Ein genetisch veränderter Mensch soll nicht geboren werden. 

Unter britischen Experten herrscht nun ziemliche Euphorie, von einem “Triumph des Menschenverstandes” ist gar die Rede, oder "einem Sieg von besonnener Regulierung über moralische Panik”. Großbritannien ist in Sachen Genforschung sehr liberal. In Deutschland sind Experimente an menschlichen Embryonen strafbar.  

Kritiker sagen: Solche Experimente sind ein schwerwiegender Eingriff in die menschliche Evolution. Genmanipulationen bei einem Embryo ändern das Genom sämtlicher Nachkommen. Experten warnen auch vor Pannen beim “genome editing”. Der Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe sagte, die HFEA-Entscheidung sei ein “bioethischer Dammbruch”. Menschliche Embryonen seien Menschen, kein Experimentiermaterial, so der CDU-Politiker.

Soll man für die Forschung das Erbgut von Embryonen verändern? Oder ist das ethisch verwerflich? Ist es eher vertretbar, weil für Niakans Programm überzählige IVF-Embryonen verwendet werden? Rechtfertigt der Nutzen für die Menschheit (Krankheiten besser verstehen und möglicherweise heilen) solche Experimente?

fran 

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