Hast du Angst vor Russland?

Oder ist das Gerede über einen neuen "Kalten Krieg" Unsinn? Die Tagesfrage.
Tagesfrage Kalter Krieg
Foto: Sergei Chirikov/dpa

Eigentlich dachten wir, das Kriegsbeil sei längst begraben. Vielleicht schon verwest. Und auf der fruchtbaren Erde sprießen zahlreiche Kooperationen, Deals und Wirtschaftsbeziehungen. Aber jetzt wurde das Kriegsbeil offenbar wieder ausgebuddelt. Russlands Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew hat mit seinem Satz den ersten Spatenstich gesetzt: „Wir sind abgerutscht in eine neue Zeit des Kalten Krieges“, warnte er auf der Münchner Sicherheitskonferenz.

Die Worte des russischen Ministerpräsidenten haben eine riesige Diskussion ausgelöst. Die litauische Präsidentin meinte, vom Kalten Krieg könne keine Rede sein. Der Krieg sei längst heiß. Der tschechische Außenminister hingegen versuchte zu beschwichtigen: Medwedjew habe gesagt, es käme ihm nur manchmal so vor. Der russische Außenminister sprach von einer „Russophobie“ im Westen. Im englischsprachigen Protokoll heißt es schließlich: „Offen gesagt: Wir rutschen schnell in eine neue Periode des Kalten Krieges ab.“ Aber egal, ob wir uns noch an der Rutsche festklammern oder schon gerutscht sind: Die Frage scheint plötzlich wieder seltsam legitim: Müssen wir Angst vor einem neuen Kalten Krieg haben?

Natürlich ist die Beziehung zwischen Deutschland und Russland angespannt. Und wird immer angespannter: Erst die Krim-Krise, der Verstoß gegen das Minsker Friedensabkommen und die Sanktionen gegen Russland. Dann der Medientrubel um eine angebliche Verwaltung einer 13-Jährigen und die russlanddeutschen Massendemonstrationen. Vor kurzem der Besuch Seehofers bei Putin – und die Kritik, die der bayerische Ministerpräsidenten dafür zu Hause einstecken musste. Und jetzt die russischen Luftangriffe in Syrien.

Aber Russland ist doch so weit weg. Haben wir zumindest gedacht. Die Bedrohung haben wir nur aus Gesprächen mit der Großtante gekannt. Unsere Angst hat sich ganz auf den Bürgerkrieg in Syrien konzentriert.  Auf den Terror, das Fremde und auf Anschläge durch den IS. Der Rest ging unter, ist fast in Vergessenheit geraten. Aber auf der Sicherheitskonferenz fiel dann noch so ein Satz. US-Senator John McCain sprach ihn. Der Konflikt in der Ukraine, der Einsatz in Syrien, das Verhalten Russlands in der Flüchtlingskrise: Das sei alles nur eine Waffe Putins gegen den Westen. Müssen wir uns also umorientieren? Ein Stückchen Angst für Russland übrig lassen? Oder ist das für dich Unsinn? Und wenn ja: Was macht dir dann größere Sorgen? Terrorismus? Rechtsextreme Übergiffe in Deutschland? Die nächste Bankenkrise? Der Hunger auf der Welt?

miu 

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