Alles Nazis?

Ein französischer Politikwissenschaftler will nationalsozialistische und kommunistische Stereotypen bei den Schlümpfen gefunden haben.
pierre-jarawan
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Illustration: Julia Schubert



Angestrichen:
„Of course it's funny to talk about totalitarianism, Stalinism and nazism for small animals as friendly, innocent and popular as the Smurfs [...]"  

Wo steht das denn?
In einem Artikel der englischen Zeitung The Guardian. Darin wird über den französischen Politikwissenschaftler Antoine Buéno berichtet, der in seinem Buch „Le Petit Livre Bleu: Analyse critique et politique de la société des Schtroumpfs“ folgende These aufstellt: Die Gemeinschaft der Schlümpfe ist geprägt von Kommunismus, Faschismus, Rassismus und Antisemitismus.

Prompt geht ein Aufschrei durch die blaue Fangemeinde! Papa Schlumpf, Schlaubi, Muffi, Schlumpfine – alles Nazis? Nein, Papa Schlumpf nicht, der ist nämlich Stalin und damit Kommunist. 

Aber der Reihe nach: Buéno hat das Schlümpfe-Universum nach Stereotypen durchsucht. Die Argumente, mit denen er seine These stützt: Der böse Gargamel ähnelt klassischen antisemitischen Karrikaturen von Juden und Schlumpfine entspricht mit ihren blonden Locken dem arischen Ideal der Weiblichkeit. Der Teil gehört zur Nazithese. Die Schlümpfe sind uniform gekleidet, haben nur einen einzigen Anführer und ihr Verhalten passt in eine totalitäre Utopie. Noch dazu sind die Figuren kategorisiert nach ihrem Beruf und ihrer sozialen Funktion. Papa Schlumpf trägt die Farbe Rot und mit seinem Bart ähnelt er Stalin. Das ist die Kommunismusthese.  

Sind das handfeste Fakten oder hat den Franzosen hier einfach der Interpretierfuchs gebissen? Ein bisschen muss man Buéno schon in Schutz nehmen. Er unterstellt Peyo, dem Heiligenvater aller Schlümpfefans, nicht, Antisemit oder Kommunist gewesen zu sein. Das alles soll unterbewusst in das Werk des Zeichners geflossen sein.  

Was Buéno jedoch nicht sagt: Das alles ist nicht neu. Bereits seit Jahren geistern Theorien durch die virtuellen Verschwörungsforen, nach denen die Schlümpfe nicht ganz so unschuldig sind, wie sie uns glauben machen wollen. Dort hat man schon lange herausgefunden, dass die weißen Mützen Anspielungen auf den Ku Klux Klan sind. Und Papa Schlumpf ein Kommunist? Nie im Leben! Seine rote Kleidung kennzeichnet ihn doch eindeutig als „Grand Dragon“, den Anführer des Ku Klux Klan, der ebenfalls als einziger Rot trägt. Dass die Schlümpfe in einem Wald leben und der Ku Klux Klan dort traditionell seine Rituale abhält, fällt da kaum noch ins Gewicht. Komisch nur, dass nirgends Azrael erwähnt wird, Gargamels böse Katze. Dabei klingt ihr Name, mit leichtem Sprachfehler ausgesprochen, doch ganz klar wie Israel!  

Selbstverständlich ist es falsch zu glauben, Comics seien in ihrer Funktion als Quelle kindlicher Träumereien frei von fragwürdigen Assoziationen. Selbst Disney’s Donald Duck trug mal das Hakenkreuz:  

http://www.youtube.com/watch?v=kzH1iaKVsBM

Man weiß natürlich nicht, wie viel Augenzwinkern in Buénos Aussagen steckt, aber dass er von entrüsteten Fans jetzt als „dream breaker“ beschimpft wird, dürfte ihn auch nicht wundern.  

Ob Papa Schlumpf jetzt Führer oder Genosse war oder einfach nur Papa Schlumpf, werden wir wohl nie erfahren. Und ob die Menschen, die Buénos Ansichten teilen, Recht haben und die wahren Schlumpffans nur so entrüstet sind, weil ihre Idole so schonungslos entromantisiert werden, oder ob alles ganz anders ist, spielt eigentlich auch keine so große Rolle.  

Worüber übrigens auch mal jemand schreiben könnte: „Weshalb Tinky-Winky lila ist und eine rote Handtasche trägt: Unverschämte Homosexuellenklischees bei den Teletubbies.“ 

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