Anonym mit einem Klick

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Angestrichen:

In Videos anonym zu bleiben erlaubt es Menschen, persönliches Material öffentlicher zu verbreiten und sich zu äußern, wenn sie es unter anderen Umständen nicht täten. Weil besonders Menschenrechts-Material die Uploader und die gefilmten Menschen neuen Risiken aussetzt, ist es wichtig, neue Wege zum Eigen- und Fremdschutz zu finden. Youtube ist stolz darauf, ein Zielort für Leute weltweit, auch für Aktivsten, die ihre Geschichte erzählen wollen, geworden zu sein.

Wo steht das?

Auf dem offiziellen Youtube Blog zur Einführung des neuen Face-Blurring Tools, mit dem User auf einfache Art und Weise die Gesichter der Menschen in ihren Videos verpixeln können.

Und wozu das Ganze?

Hauptanlass zur Einführung ist laut des Blog-Eintrags die wachsende Bedeutung von Youtube als Werkzeug von Menschenrechts- und Demokratieaktivisten, die sich und die Personen in den Videos mit dem Tool vor staatlicher Verfolgung schützen können.

Von Privatpersonen per Handykamera aufgenommenes Material auf Youtube, sei es von Demonstrationen im Iran 2009 oder Gefechten im syrischen Homs 2012 hat sich als mediales Gegenmittel zur Propaganda des jeweiligen Staatsfernsehens etabliert und findet regelmäßig Einzug in die weltweite Berichterstattung. Die schockierenden, oft blutigen Bilder zeigten die brutale Seite der Proteste, von willkürlichen Verhaftungen bis zum Einsatz von Waffengewalt gegenüber der eigenen Bevölkerung. So machte das Video des gewaltsamen Todes von Neda Agha Soltan während des Aufstandes gegen die iranischen Wahlen 2009 die junge Demonstrantin binnen wenigen Tagen zur Ikone der Bewegung. Das Time Magazine schrieb daraufhin, dass wohl kein Tod in der Menschheitsgeschichte von so vielen Menschen mitverfolgt worden sei.

Auch bei Protesten außerhalb der arabischen Staaten haben in vielen Füllen die gezückten Smartphones die offizielle Darstellung von Polizei und Ordnungskräften in Frage gestellt. Der völlig emotionslose Pfefferspray-Einsatz des US-Polizisten John Pike bei einer Occupy-Demonstration in Kalifornien führte in den Staaten zu einer Debatte über Polizeigewalt und auch in Deutschland spielten Youtube-Filme von gegen Schüler und Rentner gerichtete Wasserwerfer eine Rolle in der Diskussion um das Bahnprojekt Stuttgart 21 und den Umgang mit Demonstranten.

 

Bei all den Vorteilen bringen die Handy-Filmer aber sowohl sich als auch die in den Filmen erkennbaren Personen in Gefahr. Die Staatsgewalt ist nicht selten dankbar für die vielen Kameras vor Ort, die ihnen die Suche nach auffälligen Personen oder auch die Beweisführung im Falle zivilen Ungehorsams oder schlicht kriminellen Verhaltens erleichtern. In den autoritären Regimen, in denen Demonstranten mit drakonischen Strafen zu rechnen haben, ist die Gefahr einer Identifikation über Youtube natürlich ungemein folgenreicher.

 

Mit dem Face-Blurring Tool soll es dem Uploader nun möglich sein, die dargestellten Personen mit nur einem Klick auf "Blur all Faces" unkenntlich zu machen, um so einer möglichen Identifikation durch andere zu entgehen. Bevor er das Video endgültig hochlädt, kann er per Preview überprüfen, ob tatsächlich alle Gesichter erfasst worden sind. Youtube gibt aber auch zu, dass die Technik noch nicht ausgereift sei und das Tool je nach Winkel, Lichteinfall oder Kameraqualität bisher nicht zuverlässig alle Gesichter erfassen könne. Uploader mit enstprechendem Filmmaterial sollten sich demnach auch weiterhin der Risiken eines öffentlichen Uploads bewusst sein. In manchen Füllen könnten aber auch andere Hinweise in den Videos zu einer Identifizierung führen, wie zum Beispiel Stimmen, Auto-Kennzeichen oder auch nur aufgenommene Gebäude. Außerdem sollten sich User bewusst sein, dass in manchen Ländern auch ihr Upload-Standort zurückverfolgt werden kann.

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