Das Papierhaus

Teile diesen Beitrag mit Anderen:

Wo steht das denn? In Carlos María Domínguez Erzählung „Das Papierhaus“, einem Buch, das von Bibliophilie, der Liebe zum geschriebenen Wort, handelt. Die Obsession Buch, Literatur als Alpha und Omega steht im Vordergrund. Die Handlung ist nebensächlich – verworren und skurril: Eine junge Frau kauft ein Buch, tritt aus der Buchhandelung. Geht lesend über die Straße und wird überfahren. Sie ist gerade beim zweiten Gedicht. Bücher verändern das Leben von Menschen. Die junge Frau war deren Opfer. Ihr Nachfolger in der Hispanistik-Abteilung der Universität Cambridge wird ein Mann, der Joseph Conrad liebt und ein an die Verstorbene adressiertes Kuvert erhält. In diesem Kuvert ohne Absender steckt ein verdrecktes Conrad-Buch. „Die Schattenlinien“. Es ist voller Betonreste, alt und gewellt durch Wasser. Der junge Mann ist irritiert – und fasziniert. Das Buch lässt ihn nicht los: mehrere Abende betracht er es, die Putzfrau entfernt jeden Tag den herabfallenden Staub. Schließlich geht er auf eine Reise nach Buenos Aires und sucht die Vergangenheit des Buches. Er sucht die Geschichte – etwas Großes. Es steckt aber nicht viel dahinter. Eigentlich nur ein kleines Geheimnis, eine außergewöhnlich starke Liebe zu Büchern.

Default Bild

„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Carlos María Domínguez hat ein Buch geschrieben, das man in einem Zug durchlesen muss. Nicht, weil es spannend oder interessant ist, sonder weil man bei jedem Wort leise und zustimmend mit dem Kopf nicken muss: Alles ist so richtig und so treffend, was er über das Lesen schreibt. Man fühlt sich verstanden: „Tatsache ist, dass letztlich der Umfang einer Bibliothek zählt“ „Lieber verlegen wir einen Ring, eine Uhr oder unseren Schirm als ein Buch, das wir vielleicht nie mehr lesen werden, das aber mit dem vertrauten Klang seines Titels ein altes, vielleicht verloren gegangenes Gefühl in uns wachruft.“ Diese kleine, literarische Fingerübung, nicht einmal hundert Seiten lang, sollte man lesen, noch mal lesen, noch mal kaufen und verschenken. Steht im Bücherregal zwischen: einem kleinen Goethe-Gipsabguss und der wunderschönen Klassiker-Verlag-Ausgabe von „Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch“, dem bedeutendsten, aber vollkommen unverständlichen Prosatext der Barockzeit.

  • teilen
  • schließen