Dem Papst gefällt das - jedenfalls ein bisschen

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Angestrichen:
Auf der Suche nach Mitteilung, nach „Freundschaften", steht man vor der Herausforderung, authentisch und sich selbst treu zu sein, ohne der Illusion zu erliegen, künstlich das eigene öffentliche „Profil" zu schaffen.

Wo steht das denn?
In einer Rede, die am Montag gehalten wurde. Streicht man deren Titel, könnte man den Eindruck gewinnen, jemand habe diese Wort in den Kreis der Netzgemeinde des DLD gesagt, der Anfang der Woche in München stattfand. Das Zitat stammt aber aus dem Vatikan. Dort hat Papst Benedikt sich aus Anlass des 45. Welttags der Sozialen Kommunikationsmittel zum Thema Internet und digitale Kommunikation geäußert. Seine Worte tragen den Titel Wahrheit, Verkündigung und Authentizität des Lebens im digitalen Zeitalter und kommen sprachlich sehr päpstlich daher. Inhaltlich scheint das 83-jährige Kirchenoberhaupt aber näher an der Realität des Netzes als man glauben möchte.


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Illustration: Julia Schubert


Gehet hin und surfet: der Papst mag das soziale Internet

Zwar ist seine Rede durchzogen von einer grundlegenden Warnung von den Gefahren der sozialen Vernetzung, aber sie erkennt diese an und stellt dazu spannende Fragen (Wer ist mein „Nächster" in dieser neuen Welt?) für das, was er "einen christlichen Stil der Präsenz auch in der digitalen Welt" nennt. "Dieser verwirklicht sich in einer Form aufrichtiger und offener, verantwortungsvoller und dem anderen gegenüber respektvoller Kommunikation."

Das klingt wie die katholische Variante einer Netiquette, ist für den Papst aber in erster Linie eine Anleitung, die christliche Wahrheit auch im Web zu verbreiten. Doch selbst wer dieser nicht zugetan ist, findet in den päpstlichen Worten Unterstützung als Netzbewohner. Immerhin sagt er 83-Jährige: "Ich möchte jedenfalls die Christen dazu einladen, sich zuversichtlich und mit verantwortungsbewußter Kreativität im Netz der Beziehungen zusammenzufinden, das das digitale Zeitalter möglich gemacht hat. Nicht bloß um den Wunsch zu stillen, präsent zu sein, sondern weil dieses Netz wesentlicher Bestandteil des menschlichen Lebens ist."

Vielleicht verstehen das ja einige sehr kritische Web-Ablehner als Anregung, in ihrem Unmut mit dem Internet nicht päpstlicher zu sein als der Papst.



Text: dirk-vongehlen - Foto: ddp

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