Der Hornby bringt den Kindern das Schreiben bei

Der britische Schriftsteller Nick Hornby hat in einem Londoner Laden eine Schreibwerkstatt eröffnet - sie soll das Leben junger Menschen verändern. Warum engagieren sich Schriftsteller nicht auch bei uns in dieser Form?
peter-wagner

Angestrichen:
So it's great he uses this popularity altruistically. Most writers would just stay at home.

Wer sagt das?
Ein Freund des britischen Schriftstellers Nick Hornby hat es der Londoner Zeitung The Observer gesagt.

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Illustration: Julia Schubert

Hornby

Warum sagt er das?
Vergangenen Freitag hat im Osten von London The Ministry of Stories Literacy Project eröffnet, eine Art Schreibwerkstatt für Kinder und Jugendliche zwischen acht und 18 Jahren. Aber vielleicht ist das Projekt mit "Schreibwerkstatt" zu fade übersetzt. Die Idee zum Geschichten-Ministerium stammt aus Amerika. Dort hat der Autor und Allesmacher Dave Eggers vor ein paar Jahren in San Francisco das Projekt 826 National ins Leben gerufen, bei dem es um nichts anders geht als Kindern und Jugendlichen die Lust aufs Schreiben zu vermitteln. Alles rund um die Schreibwerkstatt wird von Freiwilligen organisiert. Sie unterrichten die Kinder und machen gemeinsam mit ihnen am Ende des Kurses ein kleines Buch, einen Film, eine Zeitung oder das Bewerbungsessay für die Universität. Eggers schwärmt auf der zugehörigen Website darüber, dass sich eine kleine Bewegung entwickelt habe, dass Werbetexter, Rentner, College-Studenten und Schriftsteller in die mittlerweile acht 826-Niederlassungen in Amerika kämen, um dort zu unterrichten, wie man gute Geschichten schreibt. Manchmal kommt eine Schulklasse nur für einen Vormittag vorbei: Innerhalb von zwei Stunden schreiben, illustrieren und binden die Schüler dann ihr eigenes Buch. Eben ist wieder ein neuer Band erschienen, in dem Kinder Briefe an Michelle Obama schreiben. Er heißt: I Live Real Close to Where You Used to Live: Kids Letters to Michelle Obama (and Malia, Sasha & Bo). Im Vorgängerbuch sind Briefe an Präsident Obama zu lesen. Der nette Titel lautet: Thanks and Have Fun Running the Country.
Wahrscheinlich durch die Rastlosigkeit Dave Eggers' ist das Projekt nun in Europa gelandet, in London. Nick Hornby hat so etwas wie die Patenschaft übernommen und setzt sich nun dafür ein, das Geschichtenerzählen in der Gesellschaft zu verankern. In der aktuellen Ausgabe der britischen Tageszeitung The Guardian berichtet eine der Freiwilligen aus dem Geschichten-Ministerium von der Arbeit in den ersten Tagen. Frances Booth schreibt unter anderem, wie die Leiterin der Werkstatt, Lucy Macnab eine Kindergruppe ans Ausdenken von guten Geschichten heranführt:

"What does a story include?" Macnab asks. Hands shoot up, eager. "Exciting words!" "Yes." "Imagination." "Good. What else?" "Beginning, middle and end."
By process of an eyes-closed vote, a main character (Bob The Fat Man) is chosen. His accomplice in this tale, the children decide, is The Man With No Name.
"What is Bob's greatest dream?"
"To be skinny."
"What's he scared of?"
"He's scared of hair."
While the children dream up core elements of their story, an illustrator stands at the front, bringing their creation to life.
Next, with the help of Payne as typist, the children begin writing their story, line by line.

Natürlich braucht man nicht so tun, als würden Eggers und nun Hornby die Welt des Creative Writing auf den Kopf stellen. An amerikanischen Universitäten wird das Fach seit Ewigkeiten unterrichtet und in Deutschland mittlerweile auch. Die Leistung des Ministeriums und des Projekts 826 besteht vielleicht eher darin, dass sie versuchen, ernsthaften Spaß am Schreiben zu vermitteln. Toll, eigentlich. Schade nur, dass es das in Deutschland bislang nicht in einer von Promischreibern unterstützten Form gibt. Finden sich wirklich keine Schriftsteller, die ihr Wissen gerne weitergeben möchten? Die Lust am Erfinden und Fabulieren und Unterrichten haben? Und die es satt haben, ihr Leben zwischen Weißwein und Schreibtisch zu verbringen?


Text: peter-wagner - Foto: rtr

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