Duale Studiengänge auf dem Vormarsch

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Das eindrucksvollste Argument für die Aufnahme eines dualen Studiums dürfte aus Sicht der Jugendlichen die hohe Bereitschaft der Unternehmen sein, Absolventinnen und Absolventen dualer Studiengänge zu übernehmen.  

Wo steht das denn?
In einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Die Autoren haben 1400 Unternehmen über ihre Erfahrungen mit dualen Studiengängen befragt.


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Illustration: Julia Schubert



Und was heißt das?
Duale Studiengänge werden beliebter. Das BIBB verzeichnete 2011 wieder einmal einen Rekord in seiner Datenbank der Dualstudiengänge. Etwa 930 Angebote gab es 2011, 2010 waren es noch rund 780 – ein Plus von circa 20 Prozent. „Gerade in den letzten beiden Jahren war der Anstieg enorm“, sagt Jochen Goeser vom BIBB. „Uns hat vor allem das gesteigerte Interesse der Unternehmen selbst ein bisschen überrascht.“ Auch bei den Abiturienten, die vor der Wahl stehen, was sie nun mit ihrem Schulabschluss anfangen sollen, werden duale Studiengänge als Option offenbar beliebter. Die BIBB-Datenbank erfasste 2010 etwas mehr als 61.000 Studenten, 10.000 mehr als im Jahr davor.

Ein duales Studium ist eine Mischung aus Ausbildung in einem Betrieb und einem Hochschulstudium. In der gängigsten Variante macht man tatsächlich zwei Abschlüsse, zum Beispiel Ausbildung und einen Bachelor. Beim zweiten Modell ist der Praxisanteil eher wie ein ausgiebiges Praktikum mit mehreren Phasen gestaltet, am Ende macht man ganz normal seinen Hochschulabschluss. Egal, welche Variante man wählt: In den meisten Fällen bedeutet ein duales Studium viel Arbeit. Während des Semesters Seminare und Vorlesungen, in den Semesterferien arbeiten im Unternehmen.

Wo da die Freizeit bleibt? Stimmt schon, die ist ziemlich spärlich gesät auf diesem Bildungsweg. Dafür werden die meisten schon während des Studiums bezahlt. Knapp 40 Prozent der Unternehmen aus der BIBB-Studie übernehmen außerdem die kompletten Studiengebühren, weitere 27 Prozent tun das immerhin teilweise. Das gewichtigste Argument dürfte aber die Aussicht auf einen sicheren Job sein: 45 Prozent der in der Studie befragten Unternehmen sagten, dass sie alle ihre dual Studierenden übernehmen.

Ein Grund für die Beliebtheit der dualen Studiengänge bei den Unternehmen ist die Härte dieses Ausbildungsweges, sagt Jochen Goeser vom BIBB: „Das ist schon eine sehr fordernde Art zu studieren“, sagt Goeser. „Wer das geschafft hat, hat Selbstdisziplin bewiesen, und das mögen die Personaler.“ Die anderen Vorteile liegen auf der Hand: Die vom Fachkräftemangel geplagten Unternehmen können ihre zukünftigen Angestellten schon abgreifen, bevor sie die Uni betreten haben, und nicht erst, wenn sie ihren Abschluss in der Tasche haben. Und sie können sich ihre Studenten so erziehen, wie sie sie gerne hätten. „Die sind gleich einsetzbar, müssen nicht erst eingearbeitet werden, sondern kennen sich im Unternehmen schon aus“, sagt Goeser. Insgesamt bewerteten die Betriebe ihre dualen Studenten sehr positiv, zwei Drittel finden ein duales Studium sogar „besser“ oder „deutlich besser“ als das klassische.

Aber der Höhenflug dualer Studiengänge hat auch seine Grenzen. Sie verlaufen in etwa dort, wo an den Unis die Räumlichkeiten der Geisteswissenschaftler beginnen. Zu diffus sind dort die Studiengänge, sie führen nicht zielgerichtet auf ein bestimmtes Einsatzgebiet hin. Die meisten dualen Angebote kommen aus der BWL, den Ingenieurwissenschaften und dem Informatikbereich, studiert wird vor allem an Fachhochschulen und nicht an Universitäten, die duale Ausbildungswege oft scheuen, weil sie eine zu enge Bindung an Universitäten scheuen.

Das größte Hindernis ist aber wahrscheinlich die begrenzte Zahl der Leute, die überhaupt in Frage kommen. In der Regel steht am Anfang auch ein hartes Auswahlverfahren durch die Unternehmen, oft sogar mit Assesment Center. Und man muss schon recht genau wissen, wo es hingehen soll. Eine Phase des großen Ausprobierens, mit viel Zeit und Gelegenheit, sich in verschiedenen Bereichen Orientierung zu verschaffen, das ist ein duales Studium sicher nicht.

Text: christian-helten - Foto: dpa

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