Angestrichen: "Ein bisschen besorgt bleibt man schon zurück (...) angesichts dieser Jugendlichen, die sich in Chat-Foren nur über ihre momentanen Befindlichkeiten austauschen.“ Wer hat das gesagt? Amelie Fried, die sich anlässlich der Vorstellung der Allensbach-Studie „Gesprächskultur in Deutschland“ Sorgen um die deutsche Jugend macht. Gemeinsam mit der Allensbach-Chefin sowie Vertretern von Bild der Frau und Jacobs Kaffee (den Sponsoren) präsentierte Frau Fried diese Studie am Donnerstag im Berliner Axel-Springer-Haus, bei atemberaubendem Panorama-Blick über die Stadt und dicken Tulpensträußen in bauchigen Vasen.

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Macht sich Sorgen um die Jugend von heute: Fernsehmoderatorin Amelie Fried. Der Tenor der Studie: Die Jugend kommuniziert anders als das Alter, nämlich viel mehr per Handy und Computer. Und da sind die Jugendlichen ziemlich gut dabei. Sie schreiben sich viele SMS, rufen mal kurz an, schreiben viele Emails, chatten und vernetzen sich diversen sozialen Netzwerken. Die Meinung der Leute auf dem Podium: Das ist schlimm. Denn bei all der Kommunikation bleibt der Inhalt auf der Strecke. SMS sind per se oberflächlich, jammerte die Allensbach-Leiterin Prof. Dr. Renate Köcher. Wichtige soziale Fähigkeiten gehen verloren, wenn man nur noch per Stammel-SMS und Email kommuniziere, weinte Bild-der-Frau-Chefredakteurin Sandra Immoor. Es gebe immer weniger Leute, die überhaupt in der Lage seien, auch lange Texte zu lesen. Man sollte doch lieber persönlich miteinander reden, am besten bei einer guten Tasse Filterkaffee, schlug der Jacobs-Marketing-Mann Marco Gottschalk vor. Und Amelie Fried, die bald Elke Heidenreichs Literatursendung im ZDF übernimmt, fragte bang: Werden aus den heute oberflächlich kommunizierenden Jugendlichen die kommunikationsverarmten Erwachsenen von morgen? Eine Frage, die man der Fragestellerin am liebsten wieder in den kulturpessimistischen Mund zurückstopfen würde. Es ist eine ewige Klage: Die jungen Leute sind zu viel im Internet, chatten lieber, als sich face-to-face auszutauschen, schreiben lieber SMS als philosophisch zu diskutieren, hängen lieber in Internet-Netzwerken rum als Briefmarken zu sammeln. Und trinken womöglich lieber Espresso als Filterkaffee. Du arme Welt! Und während die vier Leute auf dem Podium tapfer versuchten, die schlimmen Tendenzen der Jugend zu erklären und ertragen, gab es mehr als einen Zuhörer im Publikum, der kulturpessimistisch das Handy zückte – und gedankenverloren ein paar SMS eintippte.

Text: malte-goebel - Bild: dpa