Eine uncoole Liebesgeschichte für urbane Menschen

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Wo steht das denn? In „Schaulaufen für Anfänger“, dem ersten Roman von Bianca Stücker. In dem geht es dann ums jung sein und hip sein wollen und eigentlich auch hip sein, aber irgendwie nicht begreifen können wollen, dass man hip ist. Und ums Verliebt-Sein natürlich und ein wenig auch um Gewalt und Angst und Abhängigkeiten. Protagonistin Nancy ist Ende Zwanzig, Studentin, lebt in eine coolen WG und hat einen coolen Freund, der - cooler Weise – gerade in Australien weilt. Nur innen drin, da fühlt sie sich so gar nicht cool und auch nicht gesellig. Da fühlt sie sich immer noch wie die Außenseiterin, die sie in der Schulzeit war. Um wesentlich mehr geht es eigentlich nicht in Bianca Stückers Roman. Auf rund 200 Seiten wird uns schlicht und einfach das Innenleben von Nancy ein Stück näher gebracht und dabei noch ein gutes Stück allgemeines Lebensgefühl mitvermittelt. Dass Nancy es dann im Verlauf der Geschichte schafft mehr auf ihr eigenes Gefühl, als auf die Meinung der anderen zu hören (was uns eine schöne und mitreißend beschriebene Liebesgeschichte beschert) und auch ein paar der anderen Gestalten vermutlich am Ende ein wenig mehr begreifen vom Leben als vorher, gibt dem Ganzen einen Touch von Coming-Of-Age-Story. Dass es sich bei den Personen dabei um Menschen handelt, die auf die 30 zugehen ist nur konsequent: Schließlich hat sich in der heutigen Zeit das Erwachsen Werden nach hinten verschoben. Dass sich die Autorin dabei ab und an ein wenig im Pathos verliert und in leeren Phrasen vergreift ist schade. Dass die Stadt in der die Handlung spielt so sehr an Standard-Berlin-Blaupausen erinnern, obschon wir es offenbar noch nicht einmal mit der Hauptstadt zu tun haben, auch. Ebenso schade ist es, dass uns die Protagonistin mit ihrem ewigen inneren Unsicher-Sein doch bald gehörig auf die Nerven geht. „Nu mach mal halblang, läuft doch alles super!“ möchte man ihr entgegen schreien. Und der Autorin ein: „ Wir hatten es spätestens nach dem dritten Mal verstanden, danke!“ nachschicken. Schade ist das vor allem deswegen, weil Bianca Stücker ansonsten eine sehr schöne, feine kleine Geschichte rund ums Leben und Lieben gelungen ist, die vor allem immer dann, wenn es ums Lieben geht einen derartigen Sog entwickelt, dass man nicht aufhören mag weiter zu lesen. Das Verliebtsein nämlich liest sich bei „Schaulaufen für Anfänger“ so schön, dass die Vergebenen unter uns sich sofort den Partner zum Buch ins Bett wünschen und die überzeugten Singles ihre ablehnende Haltung zum Paar-Sein glatt noch mal in Frage stellen. Steht im Bücherregal zwischen: „Rosa“ von Heike Geißler und „Relax“ von Alexa Hennig von Lange

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