Einsame Amerikaner

Trotz SMS und ICQ: eine Studie belegt, dass Amerikaner einsamer werden
stefan-winter

Angestrichen: "Sie haben vielleicht 600 Freunde bei Facebook.com und mailen täglich 25 Leuten, aber sie reden nicht über Dinge, die für sie wirklich wichtig sind."

Wo steht das denn? In den Forschungen der US-Soziologin Lynn Smith-Lovin. In einem Artikel der American Sociological Review (PDF-Download) mit dem Titel "Social Isolation in America: Changes in Core Discussion Networks over Two Decades" berichten die Forscher von einer Vereinsamung der amerikanischen Gesellschaft. Im Vergleich zu einer Untersuchung von vor zwanzig Jahren haben sich die direkten Bezugsgruppen (Core Discussion Networks) eines durchschnittlichen US-Bürgers verkleinert. 1985 waren es noch drei enge Freunde, mit denen die Befragten wichtige Fragen ihres Lebens besprachen, heute sind es nur noch zwei Menschen. Die Kernfamilie spielt dabei eine immer wichtigere Rolle. Kontakte zu anderen – wie im Zitat angesprochen in Online-Communitys – bleiben dabei, so die Forscher, oberflächlich.

Mögliche Gründe für diese Entwicklung sehen die Forscher in der höheren Mobilität, die aufgrund von Arbeitsplatzwechsel und längeren Arbeitszeiten gefordert wird. Wer weit entfernt von seinen Freunden lebt, steht in weniger engem Kontakt zu ihnen. Außerdem , so glauben die Forscher, ersetzen die modernen Kommunikationsmittel – ICQ, Communitys und Mail – den persönlichen Kontakt nur unzureichend.

Zum Thema "Einsamkeit" gibt es einen aktuellen Schwerpunkt auf jetzt.de: Dazu sind bereits erschienen: - Ein Interview mit dem Medienforscher Christoph Kuhlmann über die Zusammenhänge zwischen Mediennutzung und Einsamkeit. - Ein Text aus der Rubrik Meine Theorie: Einsamkeit sucks. - Eine Handreichung: Wie man stilsicher alleine auf Konzerte, ins Kino oder Theater geht - Ein Interview mit dem CDU-Politiker Sven-Joachim Otto über Einsamkeit in der Politik. - Die Liste der 50 besten Songs "ohne die doofen Anderen"

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