Erobert euch die Welt zurück

Guerilla Gardening.
susanne-klingner

Guerilla Gardening. Gefunden von: susanne-klingner angestrichen: "Werdet wild und tut schöne Sachen!" Wo steht das denn? Marc Amann stellt dieses Zitat von Herbert Carl und Doris Kessler gleich an den Anfang seines Buches "Go. Stop. Act!", damit der Leser auch gleich weiß, worum es die nächsten 226 Seiten gehen wird. Nämlich um die (Zurück-)Eroberung des öffentlichen Raums, die Störung der gesellschaftlichen Ruhe, die es nur gibt, weil viele Dinge, auch Ungerechtigkeiten, toleriert oder ignoriert werden. Amann hat Straßenkunst und Protestaktionen begleitet, stellt sie vor und regt so auch gleich zum Nachahmen an. Hier vier witzige und schlaue Ideen aus dem Buch: 1. TV-Hijacking Die Endausscheidung eines Liederwettbewerbs der Fremdenfreundlichkeit 1994 wird von einer Gruppe, die sich Der wahre Helmut nennt, gestört: Als Band Milch & Blut fangen die Aktivisten an zu spielen, als mitten in der zweiten Strophe einer von ihnen einen Telefonhörer aus der Jackentasche zieht und in der Live-Sendung ein großartiges - den Liederwettbewerb als lächerliche Farce offenbarendes - Telefonat führt. Am Schluss der Sendung sind alle verwirrt, vor allem Milch & Blut selbst, weil sie einen von zwei zweiten Plätzen gewinnen. 2. Schablonengrafiken Obwohl die Polizei hart gegen Sprayer vorgeht und mittlerweile sogar darüber nachdenkt, Hubschrauber zur "Tätererfassung" einzusetzen, wird dir auf der Seite ainfos.de gezeigt, wie du Schablonen mit dem Bildbearbeitungsprogramm zuhause herstellen kannst. Wer sich nicht an Häuserwände traut oder nicht die Meinung der Sprayer teilt, Gewalt gegen Dinge sei kein wirkliches Verbrechen, der kann sich sein Protest-, Humor- oder Aktionsbildchen auch immer noch auf die eigene Klamotte sprühen. 3. Guerilla Gardening Die hübscheste aller Protestvarianten. Amann schreibt in seinem Buch von illegalen Gemüsegärten auf New Yorker Brachen, wildem Reisanbau zwischen Wolkenkratzern in Tokio und organisierter Sprossenzucht auf den Dächern Berlins. Es ist ganz einfach, öffentlich Raum zu erobern: Wirf ein paar Blumensamen auf eine Verkehrsinsel oder eine Brachfläche und lass die Natur den Rest erledigen. 4. Flashmobs Im vorletzten und letzten Jahr zu erstaunlicher Popularität gekommen und eine Mode, die genauso kurzweilig war wie die Aktion selbst. Aber natürlich darf sie in einem Buch über Straßenkunst nicht fehlen. Wer den Hype verpasst hat oder aus Nostalgie noch mal einen Flashmob mitmachen will, kann hier, hier und hier nach Orten und Terminen schauen. Steht im Regal zwischen Naomi Klein und Andy Warhol. Hier trifft Gesellschaftskritik auf Kunst - zwei Dinge, die auf hundertfache Weise und immer neu kombiniert werden können. "Go. Stop. Act!" von Marc Amann. Erschienen im Trotzdem Verlag. 230 Seiten, 18 Euro.

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