Gegen die Horrorfolien

Ein Schweizer hat eine "Anti-Powerpoint-Partei" gegründet, und will das Microsoft-Programm am liebsten verbieten
christian-helten
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Illustration: Julia Schubert



Angestrichen:
Die APPP ist eine internationale Bewegung (in der Organisationsform einer Partei), deren Ziel in der Einflussnahme auf die Öffentlichkeit liegt, dem Phänomen der nutzlosen Leerlaufzeiten in der Wirtschaft, Industrie, Forschung und Ausbildung Einhalt zu gebieten. Besonderes Augenmerk wird dabei auf den Volkswirtschaftlichen Schaden von Präsentationen unter Einsatz von PowerPoint gelegt.

Wo steht das denn?
In den Statuten der Anti-Powerpoint-Partei. Sie wurde vor kurzem in der Schweiz gegründet und hat derzeit etwas über 1200 Mitglieder. Im Herbst will sie bei den Schweizer Nationalratswahlen antreten, die Sozialdemokraten überholen und in einer Volksinitiative ein schweizweites Verbot von PowerPoint-Präsentationen durchsetzen.

Was steckt dahinter?
Der ewige Kampf mit Microsofts Präsentationsprogramm. Es ist aus unserem Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken, von der Grundschule bis in die Führungsetagen klicken sich Redner auf der ganzen Welt durch ihre Slides. Manche betreiben einen Riesenaufwand und verstricken sich in Spiegelstrichspielereien oder lassen den Text unter viel Brimborium ins Bild rutschen, andere langweilen mit Textwüsten in Mini-Schrift. Es gibt unzählige abschreckende Beispiele, bei deren Betrachtung sofort einleuchtet, warum sich schon vor Jahren Professoren über Powerpoint beschwerten. Inhaltsleere Vorträge, die mit dem vielen bunten Schnickschnack des Programms aufgebauscht werden sollen, nerven genauso wie wortwörtliche Abbildungen des Gesagten auf den Folien. Wenigstens lässt sich diese Entgleisungen aber beim Powerpoint-Karaoke erheiternd zweckentfremden. Auch wenn das alles längst gesagt ist – die APPP bläst nun noch einmal ins gute alte Powerpoint-Bashing-Horn und argumentiert mit Zahlen: Durch den Einsatz von PowerPoint werde der Schweizer Volkswirtschaft „ein geschätzter jährlicher Schaden von 2,1 Milliarden Franken zugeführt“, in Deutschland seien es sogar 15,8 Milliarden. Berechnet hat man das ganze aus Arbeitsmarktzahlen, Löhnen und Schätzungen, wie viel ihrer wertvollen Arbeitszeit die Leute in einschläfernden Präsentationen vergeuden. Die Forderung der Partei: Zurück zum Flipchart!

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Illustration: Julia Schubert



Worum geht’s wirklich?
Um Geld. Allerdings nicht unbedingt um das Geld im Säckel der Schweizer Volkswirtschaft, sondern um das Geld auf dem Konto eines gewissen Matthias Pöhm. Der ist nämlich nicht nur Gründer der APPP, sondern von Beruf Rhetorik-Coach und Autor eines Buches namens „Der Irrtum Powerpoint“, das auch als Parteiprogramm herhält und mit einem Rabatt „jedem Mitglied (nach Zahlung des Preises + Versandgebühren) auf Wunsch zugeschickt“ wird. Praktisch. Als Instrument der politischen Satire kennt man den Akt einer Parteigründung ja schon, zum Beispiel von Martin Sonneborn und seiner Titanic-Partei. In letzter Zeit scheint aber das Ausrufen einer neuen Religion oder das Anbeten eines Nudelmonsters als die schickere satirische Protestform zu gelten. Vielleicht liegt das auch an Leuten wie Matthias Pöhm, die eine Partei ausschließlich zu Marketingzwecken gründen.

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