Für wen? Für den Bruder, der nur in Ausnahmefällen ein Buch in die Hand nimmt.

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Angestrichen: Nur sehr wenig Frauen sehen beim Ficken gut aus. Wo steht das denn? In „Pornostar“, der Autobiographie von Jenna Jameson. Die erzählt, genau wie es der Titel verspricht, von ihrem Leben als größten Pornostar der Welt und dem weiten Weg dorthin. Die Mutter starb früh, der Vater, ein Polizist, war von seiner Rolle als alleinerziehender Vater völlig überfordert und beschränkte sich darauf, Geld für die Familie ranzuschaffen. Jenna wuchs ein wenig naiv in der Wohnwagensiedlung in Las Vegas heran und entwickelte schon früh einen Hang zu bösen Buben. Der trieb sie dann auch schnell in die Arme des Tätowierers Jack, der es nicht besonders gut mit ihr meinte, und von dort zu Drogen, Alkohol und allem, was zu einer richtigen White-Trash-Biographie eben so gehört. Auch der Werdegang zum größten Star der Branche liest sich ein wenig vorhersehbar: Erste Erfahrungen im Strip-Club, dann erotische Fotos für einschlägige Herrenmagazine, Soft-Porno-Drehs und irgendwann die (bewusste) Entscheidung, Hardcore-Pornos zu drehen. Eine sehr amerikanische Geschichte vom Aufstieg aus der Wohnwagensiedlung zur Millionärin. Obwohl an Jenna Jameson keine Literatin verloren gegangen ist, ist ihre Autobiographie enorm lesenwert. Zum einen liegt das an ihrer offenen Art, auch von Dingen zu erzählen, die man normalerweise nicht mal einem Therapeuten freiwillig anvertrauen würde. Von Vergewaltigungen, Erniedrigung, Abhängigkeit und Selbstzerstörung. Zum anderen ist der direkte Einblick in diese Industrie, die jährlich Milliarden umsetzt, ausgesprochen interessant. Jameson selbst will ihr Buch auch als Ratgeber für ambitionierte Nachwuchskräfte verstehen. So streut sie Tipps für den perfekten Blow-Job ein, druckt Muster-Verträge ab und warnt vor den immer gegenwärtigen „Koffer-Luden“: meist die Lebensgefährten von erfolgreichen Darstellerinnen, deren Lebenszweck darin besteht, die Koffer hinter ihren Freundinnen hinterher zu tragen und das Geld (normalerweise zu ihren Gunsten) zu verwalten. Jameson selbst, die ihren Künstlernamen von einer Whiskey-Marke geborgt hat, bereitet sich schön langsam auf den Ausstieg aus der Branche vor. Seit sie verheiratet ist, dreht sie Hardcore nur noch mit ihrem Ehemann und als Produzentin und als Betreiberin einer der erfolgreichsten Webseiten des Internets verdient sie mittlerweile auch angezogen genug Geld. Steht im Bücherregal zwischen: der alten Playboy-Sammlung und „The Dirt“, der Band-Autobiographie von Mötley Crue.