Angestrichen: „Und wir haben kein Nationalstolz und das alles bloß wegen Adolf - ja toll schöne Scheiße der Typ war doch eigentlich ‘n Österreicher Ich frag mich was soll das, als wäre ich Herbert Grönemeyer Die Nazizeit hat unsere Zukunft versaut die Alten sind frustriert deshalb badet die Jugend es aus Und wir sind es Leid zu leiden, bereit zu zeigen wir fangen gerne von vorne an, Schluss mit den alten Zeiten Siehs mal so: Dies hier ist unser Deutschland Dies hier ist euer Deutschland“ Wo steht das denn? Das ist ein Textauszug von Samy Deluxe' Single-Auskopplung „Dis wo ich herkomm“ Erklärungsversuche, weshalb es den Deutschen am Nationalstolz fehle, gibt es zahlreiche: die Kleinstaaterei im Mittelalter, das späte Zusammenwachsen zu einem Nationalstaat, die regionalen Unterschiede und auch die wechselhafte Geschichte, die wenig Anlass zum Jubeln bietet. Alles, was den Deutschen angeblich an Selbstbewusstsein fehle, an Adolf Hitler festzumachen, ist schon eine selten simple Erklärung. Mit einer an Schwachsinn kaum zu überbietenden Begründung, doch endlich stolzer auf das eigene Land zu sein, wartet nun Samy Deluxe auf. In seinem – wohl gutgemeinten - Motivationssong "Dis is wo ich herkomm" heißt es: "Und wir haben kein Nationalstolz und das alles bloß wegen Adolf - ja toll schöne Scheiße der Typ war doch eigentlich ‘n Österreicher". Selten hat eine Textzeile derart viele Fragen aufgeworfen: * Steht Samy Deluxe bei den Nationsanimateuren von Du bist Deutschland unter Vertrag? * Steckt der Aggro-Berlin Rapper Fler mit seiner Deutschtümelei dahinter? * Haben sich die Deutschen jetzt 60 Jahre umsonst für die Verbrechen der Nazis geschämt? * Müssen Goebbels, Göring und Konsorten jetzt historisch neu bewertet werden, weil sie für ihre Gräueltaten gar nicht verantwortlich sind - schließlich sind sie ja nur einem Österreicher auf dem Leim gegangen? * Waren alle Deutschen, die Hitler 1933 wählten, in Wahrheit Österreicher? * Sind eigentlich die Österreicher an allem Schuld? * Sollten sich Rapper einfach mit anderen Themen beschäftigen? Angesichts der Schwere des Themas und des daraus sich ableitenden endlosen Diskurspotenzials ist es wohl das Sinnvollste, die letzte Frage schlicht mit "Ja" zu beantworten.