In "Deutschland for Beginners" erklärt Ben Donald das Land

„Als Deutscher können Sie machen, was Sie wollen, irgendjemand wird immer und jedes Mal anfangen, die Vergangenheit auszugraben.“
christiane-lutz
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Illustration: Julia Schubert

[b]Wo steht das?[/b] In einem Buch mit dem Titel: „Deutschland for Beginners“, geschrieben von dem englischen Journalisten Ben Donald, der sich in einer akuten Reise-Krise befindet und durch einen mysteriösen Berater namens „Manny“ auf die Idee gebracht wird, nach Deutschland zu reisen, um von seinem „Weltschmerz“ erlöst zu werden. Was daraufhin folgt, ist ein 380-seitiger Bericht über das Land des Sauerkrauts und der Gemütlichkeit, gespickt mit historischen und privaten Anekdoten, Kapiteln untergeordnet, die vermeintliche deutsche (Un-)Tugenden und Phänomene kategorisieren: Weltschmerz, Freikörperkultur, Angst, Wanderlust, Schadenfreude, Delikatessen oder Weltmeister beispielsweise. Dabei wird dem interessierten Leser ein detailliertes Bild deutscher Bräuche gezeichnet. Er reist mit Donald vom lustigen FKK-Strand an der Ostsee ins studentische Heidelberg. Er besucht – natürlich! – das Münchner Oktoberfest und freut sich darüber, dass es tatsächlich Unmengen blonder „Heidis“ mit geflochtenen Zöpfen in diesem Lande gibt. Er betrachtet den deutschen Fußball, analysiert den (nicht vorhandenen) Nationalstolz und macht eine kleinen Abstecher in die deutsche Musikgeschichte, die bei Bach beginnt und nach der „neuen deutschen Welle“ sanft bei der „Revolution“ Mitte der 1990er endet, bei der deutsche Bands wieder in ihrer Muttersprache zu texten beginnen. Nett. Ich frage mich allerdings für wen dieses Buch überhaupt geschrieben ist. Grast es doch gemütlich und systematisch alle Klischees über Deutschland und seine humorlosen, schnauzbärtigen Bewohner ab. Ist allein diese Tatsache schon wieder Bestätigung des Klischees? Ist das Deutschlandbild hier ein Bild der Deutschen? Oder eher ein Bild dessen, was im angelsächsischen Raum als deutsch betrachtet wird? Oder das Bild eines Menschen, der eben kein Bild haben will? Mir scheint, „Deutschland for Beginners“ ist ausschließlich für ambitionierte Engländer gedacht und weniger für den deutsche Leser. Dieser wird sicherlich bei der einen oder anderen Anekdote schmunzeln und von der nicht unerheblichen Menge informativer Details über deutsche Spezialitäten (wie den Strandkorb, Beate Uhse oder die Schlacht im Teuteborger Wald) profitieren. Aber wirklich Dazulernen wird er nicht. Höchstens wieder einmal hören, wie man uns im Ausland wahrnimmt und sich vielleicht freuen, dass Ben Donald am Ende recht wohlwollend zu Lederhosen und Gemütlichkeit steht. Ben Donald: "Deutschland for Beginners" ist bei C. Bertelsmann erschienen und 16.95 Euro.

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