Angestrichen: Ich war die Erste, die in großem Stil mit Kabelbindern gearbeitet hat. Wer sagt das? Die Künstlerin Nicole Knauer in der Süddeutschen Zeitung. Für die Ars Electronica 2006 in Linz hatte sie mit Hunderttausenden von Kabelbindern ein Werk namens "Curious Implantation" geschaffen, eine "hybride" Rauminstallation im "Grenzbereich zwischen Realität und Absurdität" (hier der Link zum Ausstellungskatalog). Im Winter haben Innenarchitekturstudenten etwas Ähnliches gemacht: Zum 200. Gründungsjubiläum ihrer Münchner Akademie der Bildenden Künste haben sie die Installation "Der dritte Raum" erschaffen. Eine Form von Wohnlandschaft aus, so berichtete die SZ, "abgehängten, kokonartigen Vogelnestern und lauschigen Kuschelecken, die aus 1,3 Millionen weißen Kabelbindern gestaltet wurde". Mehr als 16.000 Stunden Arbeitszeit hat die Installation den 52 Studenten gekostet. Was heraus gekommen ist, nennt ein Kritiker eine "witzige aber eigentlich harmlose Idee" (hier der Link zu der Ausstellung, die bis Mitte Mai 2008 im Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne zu sehen ist). Für die Münchnerin Nicole Knauer war die Idee aber keineswegs nur witzig. Sie glaubte sich kopiert und war schockiert, weil sie einen kapitalen Fall von Ideenklau entdeckt zu haben glaubte. Von den Ausstellungsmachern erwartete sie mindestens einen Hinweis auf die Inspirationsquelle für ihre Arbeit. Die betreuenden Professoren aber wollen von Knauer und ihrer Arbeit nichts gewusst haben. Tatsächlich sind sich die beiden Installationen in ihrer Flokati-Anmutung ziemlich ähnlich. Beide Male werden Wohnlandschaften simuliert. "Bewusst oder unbewusst", so die Zivilkammer am Landgericht München I, müssen die Macher auf Knauers Idee zurückgegriffen haben - am Donnerstag hatte ein Zivilrichter über Knauers Antrag auf eine einstweilige Verfügung zu entscheiden. Die Münchnerin wünschte sich den Abbruch der Ausstellung. Die Richter hatten zwar Verständnis für Knauers These vom Ideenklau, erkannten am Ende aber doch keine Kopie: Sie wiesen den Antrag der Künstlerin ab. Es liege keine Urheberrechtsverletzung vor. Was vom öffentlichen Streit der beiden bleibt, ist der Hinweis auf zwei sehr schöne Ausstellungen - hier zunächst eine Bilderfolge aus der Münchner Ausstellung und dann einige Bilder aus der Knauer-Arbeit, in der das Prinzip Kabelbinder noch viel weiter getrieben wurde (siehe www.nicole-knauer.de). Die Münchner Kabelbinder

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Fotos: Oliver Sachs Die Linzer Kabelbinder Die Bilder entstammen der Pressemappe der ars electronica 2006.