Kristina Köhler: Die jüngste Frau im Kabinett, aber sicher keine Feministin

Kristina Köhler, seit heute Bundesfamilienministern, repräsentiert eine Generation junger Frauen. Aber eines will sie dennoch nicht sein: Feministin
dirk-vongehlen

Angestrichen: Ich möchte die erste Frau sein, die Ehe, Kinder und Karriere unter einen Hut bringt, ohne dass irgendein Teil darunter leidet und ohne jemals zur Feministin zu werden. Wo steht das denn? Laut FAZ in der Abi-Zeitung der neuen Bundesfamilienministerin Kristina Köhler. Diese hat heute in Berlin die Ernennungs-Urkunde von Bundespräsident Köhler erhalten und sorgt allein schon aufgrund ihres Alters für Aufregung: Kristina Köhler ist 32 Jahre alt, in ihr - schreibt die Bild am Sonntag - komme die Generation Facebook an die Macht.

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Illustration: Julia Schubert

Darüber kann man streiten, sicher ist in jedem Fall, dass die neue Ministerin regelmäßig twittert - und dass sie mit dem obigen Zitat eine Debatte über den Feminismus in Deutschland angestoßen hat. Im Interview mit dem ZDF wurde sie jedenfalls schon vor ihrer Ernennung darauf angesprochen. Sie erklärte, dass Feminismus oft auf einem konstruierten Kampf "Männer gegen Frauen" basiere. "Und zumindest diesen Feminismus habe ich nie geteilt und den teile ich auch bis heute nicht. Ich finde, Männer und Frauen müssen an einem Strang ziehen." Ob sie für einen anderen Feminismus stehe, lies sie offen. Erstaunlich an ihrer Ernennung ist in jedem Fall: Das nach parteipolitischer Farbenlehre konservative Kabinett der CDU-Kanzlerin Merkel ist jünger und weiblicher als jenes des Vorgängers im Amt. Die Politik von Gerhard Schröder (und Joschka Fischer) setzte auf ein Personal, das weitaus etablierter war als Merkels Minster es heute sind. Nun wäre es falsch von den Personen auch auf deren Handeln zu schließen, doch zeigt das Beispiel der nun ins Arbeitsministerium gewechselten Ursula von der Leyen, dass eine konservative Politikerin im Bereich der Familienpolitik - unter Schröder mit dem Titel "Gedöns" beschrieben - mehr zu bewegen im Stande war als ihre SPD-Vorgängerin. Das konservative "Nachwuchstalent" (dpa) Köhler hat jedenfalls angekündigt, die Arbeit ihrer Vorgängerin ("eine ganz tolle Familienministerin") fortzusetzen. So wird sie womöglich als bekennende Nicht-Feministin durchaus feministische Politik zu verantworten zu haben. Es scheint ihr nichts auszumachen.

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