Max Barry: Chefsache

Angestrichen: „Aber ich dachte, Zephyr ist ein Schulungsunternehmen. Wenn wir keine Schulungen machen, was machen wir denn dann?“ „Du meinst, so insgesamt?“, fragt Holly. „Ja!“ Sie zuckt die Schultern. Jones starrt sie an. Sie verschränkt defensiv die Arme. „Was unsere Abteilung macht, weiß ich. Aber Zephyr ist ein großes Unternehmen.“ Jones sieht Freddy an. „Frag mich nicht. Das Unternehmen macht viele Sachen, Jones.“
christina-waechter
Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Wo steht das denn? In „Chefsache“, dem neuen Roman von Max Barry. Dessen Held Jones beginnt nach dem Studium einen Job bei der Firma Zephyr. Er ist Assistent eines Schulungsverkäufers. So weit, so klar. Nicht ganz so klar dagegen ist, was die Firma Zephyr eigentlich macht, wer ihre Kunden sind und warum ständig an der Betriebsschraube herumgedreht wird. Bis auf Jones scheint das aber niemanden sonderlich zu interessieren. Viel lieber rätseln sie gemeinsam darüber, wer als nächstes rausgeschmissen wird, über die Ungerechtigkeit der Parkplatzverteilung und einen fehlenden Muffin. Jones aber lässt sich weder abbringen, noch einschüchtern und findet bald heraus, was der eigentliche Sinn der Firma Zephyr ist: Management-Strategien an echten Menschen zu testen und herauszufinden, was ein Angestellter nervlich so aushalten kann. Das ist so gut beobachtet und aufgeschrieben, dass man schon während der Lektüre an seiner Kündigung feilt, auch wenn man ganz zufrieden mit seinem Job ist. Wer jemals in einer größeren Firma gearbeitet hat, oder vorhat, das zu tun, der sollte „Chefsache“ lesen. Selten hat ein Autor die Schrecken der so genannten Unternehmenskultur und Führungsstrategien von Vorgesetzten so genau aufgedröselt wie Barry. Dabei liest sich das Buch aber keineswegs dröge, sondern ist so spannend, dass man es in einem Zug durchlesen muss und am nächsten Tag aus Fleiß ein Meeting verschläft. Steht im Bücherregal zwischen: „Sun Tzu für Manager. Die 13 ewigen Gebote der Strategie“ von Werner Schwanfelder und den zurück geschickten Bewerbungsunterlagen. christina-kretschmer.jetzt.de „Chefsache“ von Max Barry, 400 Seiten, 12 Euro. Erschienen im Heyne Verlag.

  • teilen
  • schließen