Mister Negroponte will: den 100-Dollar-Computer für die Armen dieser Welt

Ein US-Amerikaner will die Kluft zwischen den Entwicklungsländern und den Industrienationen überbrücken, indem er jedem Kind in Entwicklungsländern einen Laptop zur Verfügung stellt, der nur 100 Dollar kostet. „One Laptop per Child“ heißt das Non-Profit-Projekt, das für manche ein großes Profit-Projekt ist.
peter-wagner

Angestrichen: Wenn sowohl Intel als auch Microsoft hinter einem her sind, weiß man, dass man etwas Richtiges tut. Wer sagt das? Nicholas Negroponte, Leiter des „One Laptop per Child“-Projektes (OLPC). Was will der Mann? Negroponte war bis vor kurzem Leiter des Media Laboratory des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA und sorgte 2005 für Aufregung in der Computer-Welt: Er will einen Laptop auf den Markt bringen, der höchstens 85 Euro oder 100 Dollar kostet. Die Bildungsministerien von Entwicklungsländern sollen die Geräte kaufen und kostenlos an Schulen weitergeben. So soll laut Negroponte der Graben zwischen den Entwicklungs- und Schwellenländern und den Industrienationen geschlossen werden. Vergangene Woche stellte Nicholas Negroponte auf der Gnome-Entwicklerkonferenz nahe Barcelona den aktuellen Stand seines OLPC-Projektes vor. In einem eigenen Wiki ist der jeweils aktuelle Stand der Dinge zu erfahren.

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Illustration: Julia Schubert

Nicholas Negroponte. (Foto: ap) Ein Laptop für 100 Dollar – wie soll das gehen? Der OLPC-Computer hat keine Festplatte und nur einen Flash-Datenspeicher mit 512 Megabyte Kapazität. Der Prozessor läuft mit gerade mal 500 Megahertz, Betriebssystem ist das kostenlose Linux, CD- und DVD-Laufwerk gibt es keines. Am Ende soll der PC, der in der Prototyp-Version so groß wie ein Buch ist, nur zwei Watt verbrauchen. Und ist keine Steckdose zur Hand, dreht man einfach an der Kurbel, die seitlich angebracht ist. Eine Minute drehen bedeutet bis zu 40 Minuten Betrieb. Weiterhin sind billigere Bildschirme im Einsatz. Negroponte sagt, dass zwei Drittel eines normalen Laptops dazu dienen, das andere Drittel zu betreiben. Nach seinen Worten sei es kein Problem, „das Fett aus einem Laptop zu lassen“. Kann man die Computer schon kaufen? Nein, sie sollen Ende des Jahres oder im nächsten Jahr in Serie gehen. Bisher gibt es nur die Prototypen, die Bill Gates bereits verspottet hat – unter anderem wegen der Farbe und der Handkurbel. Derzeit zeigen Länder wie Brasilien und Ägypten Interesse am Kauf. Erst wenn Bestellungen für fünf bis zehn Millionen Computer vorliegen, soll die Produktion beginnen. Das klingt ja - sehr uneigennützig. Nun ja, das „One Laptop per Child“-Programm firmiert tatsächlich als “Non-profit Organisation” und wird von den Vereinten Nationen unterstützt. Kofi Annan, wenn das etwas bedeutet, hat sich auch schon mit solch einem Laptop ablichten lassen. Andererseits geht es um die Verteilung von Märkten – kein Wunder also, dass Bill Gates frotzelt. Er fürchtet, dass irgendwann die halbe Welt regierungsfinanziert Linux-Betriebssysteme nutzt. Genauso bangt Intel, weil wahrscheinlich die günstigeren AMD-Prozessoren zum Einsatz kommen. Also: Kein Gemeinnutzen kommt ohne Streit daher. Wäre es nicht besser, man würde das Geld direkt in den Unterricht der Kinder in Entwicklungsllenländern investieren – und nicht in deren schnelle Versorgung mit Computern? Bei OLPC heißt es: “Laptops are both a window and a tool: a window into the world and a tool with which to think. They are a wonderful way for all children to learn learning through independent interaction and exploration.”

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