Mit Nacktfotos gegen den Pornosumpf

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Wo steht das denn? In der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins stern. Schon auf der Titelseite blitzt rechts ein klein gedrucktes Paar nackter Frauenbrüste auf. Darüber prangt der einladende Titel „Voll Porno!“ Es geht um Sex, es geht um Gewalt und es geht um Jugendliche. Beinahe erwartungsgemäß geht es auch um Berlin-Neukölln. Der bildungsferne Bevölkerungsteil Deutschlands leidet nämlich neben geistigen, sozialen und ernährungsspezifischen Verwahrlosung jetzt auch an sexueller Verkommenheit. Nach den Erkenntnissen des stern-Reporters sind selbst diese Menschen mittlerweile „der Nachmittagsmüll von RTL 2“ so dermaßen überdrüssig, dass sie zu Pornographie als Top-Unterhaltungsmedium übergegangen sind. Und ihre Kinder nehmen sie einfach mit. Anlass genug zu einer investigativen Reportage, in der – neben den üblichen Verdächtigen, Rapper Sido und Kriminalforscher Christian Pfeiffer – auch frische, junge Protagonisten zu Wort kommen. So wie Jessica, 19. Welche Informationen also erhalten wir also aus dem angestrichenen Textabschnitt? Den Umständen entsprechend interessiert an Jessica eigentlich nur ihr Körperbau. Zumindest sind "klein" und "zart" die einzigen Eigenschaften, die wir erfahren. Jessica spricht in sehr kurzen Sätzen und mit einem derart dominanten Dialekt, dass sie selbst den Reporter zur Umgangssprachlichkeit inspiriert. Sie kommt aus einem neuen Bundesland und ist bei ihrer alleinerziehenden, und – oh Schock! – sexuell aktiven Mutter aufgewachsen. Jessica ist ganz klar eine Vertreterin des neuen Proletariats, das merkt man spätestens daran, dass sie außer übertrieben viel sexueller Erfahrung nichts vorzuweisen hat. Jessica, das will uns diese Reportage klar machen, ist ein Opfer. Ihr Existenz ist symptomatisch für die Langeweile und Verrohung unter Deutschlands Hartz IV-Jugend. Vor allem die Frauen müssen leiden, erklärt der stern. Oft schlecht ausgebildet oder arbeitslos, fänden sie im Sex die einzige Form des Erfolgserlebnisses. Die chauvinistischen Rapsongs von bösen Buben wie Bushido oder Frauenarzt suggerierten ihnen ja auch permanent, sie seien zu nichts anderem gut. Schlimme Zustände sind das, und der stern hat sie mit Photographien auch mehr als eindringlich illustriert: Wir sehen wie die gewaltverherrlichenden, entemotionalisierten Bildern der Pornoindustrie in das kindliche Gemüt eindringen. Dildos neben Kinderzahnbürsten, Oralsexfilmchen auf den Handydisplay jugendlicher Telefonbenutzer. Wir sehen seitenweise, auf jeder einzelnen Photographie nackte Frauen, die stöhnen, masturbieren, kopulieren. Um das haarsträubende Paradox der Zustände von heute zu verdeutlichen, sind um die Frauen herum viele Stofftiere und Puppen drapiert. Zum Glück gibt es Medien wie den stern, die unnachgiebig eine Stimme erheben gegen die sexuelle Ausbeutung der Frau in dieser rohen, brutalen Gesellschaft.

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