PeterLicht: Wir werden siegen

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Liste wichtiger Fragen: 1. Frage: Warum sind nicht alle so wie ich? Liste von denkbaren Alternativen: Alternative 1: In Selbstsicherheit verblöden oder in Unsicherheit verzweifeln Wo steht das denn? In einem schönen blauen Buch mit dem mutmachenden Titel „Wir werden siegen“. Geschrieben hat es PeterLicht und genannt hat er es das „Buch vom Ende des Kapitalismus“. Dazu veröffentlicht der Musiker in der kommenden Woche ein „Lieder vom Endes Kapitalismus“ betiteltes Album (mehr dazu am kommenden Freitag in der Rubrik Reingehört und aufgeschrieben). Inhalte aus Buch und Album wurden außerdem bereits auf der Bühne der Münchner Kammerspiele im Rahmen eines „theatralischen Konzerts“ mit dem Titel Wir werden siegen. Und das ist erst der Anfang aufgeführt.

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Illustration: Julia Schubert


„Für mich hat dieses Arbeiten in verschiedenen Medien den Charakter von Remixen“, erklärt der Kölner mit dem nebulösen Pseudonym auf seiner Webseite peterlicht.de. Und gerade weil es bei Remixen gut ist, die gemixte Quelle zu kennen, lohnt sich die Lektüre des Buchs. Auf über 150 Seiten gibt es Zeichnungen, Berufsporträts, Songtexte und kleine, interessante Versatzstücke, wie die zitierten obigen Listen. Sein Konzept beschreibt PeterLicht so: „Die Gegenwart anbohren. Sehen, was raustropft und daraus was machen, was schön ist.“ Und genauso liest sich „Wir werden siegen“: Eine Sammlung an Beobachtungen, die oftmals klein und albern, aber gerade deshalb schön sind. Das Buch ist die optimale Frühlingslektüre: man kann es unterwegs lesen, mal wieder für eine Weile weglegen, neu anfangen und was Neues entdecken. Erzählstruktur und Spannungsbogen spielen keine Rolle, es ist eine Art Notiz- und Skizzenbuch, das PeterLicht hier öffentlich macht.

Und genau so ist auch die plakativ-politische Botschaft vom Endes des Kapitalismus zu verstehen: als Skizze oder als Notiz. PeterLicht entwirft kein alternatives Gesellschaftsmodell, er schreibt keine agitatorischen Protestsongs, er fordert keine Revolution. Stattdessen grübelt er und denkt nach – öffentlich und manchmal ein wenig naiv. Und vielleicht ist genau das der wirksamste politische Protest in diesen Tagen: Nachdenken und auch mal dumme Fragen stellen. Zum Beispiel die: Warum sind nicht alle so wie ich?

P.S.: In diesem Text ist PeterLichts so genannter Indie-Sommerhit aus dem Jahr 2001 namens Sonnendeck mit Absicht nicht erwähnt.

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Illustration: Julia Schubert


Steht im Regal: Vor "Magazine" dem Notizbuch von Adam Green. Wir werden siegen - Buch vom Ende des Kapitalismus von PeterLicht, 157 Seiten, 14 Euro. Erschienen im Blumenbar-Verlag. Mehr über Peter Licht gibt es auf seiner Webseite peterlicht.de und bei myspace.com/peterlichtmusic

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