Praktikum zu verkaufen!

In Großbritannien können sich Interessierte seit Neustem einen Praktikumsplatz erkaufen. Das Modell gewinnt an Beliebtheit, doch es gibt auch kritische Stimmen
pierre-jarawan
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Illustration: Julia Schubert


Szene aus der ARD-Komödie "Ein Praktikant fürs Leben"

Angestrichen:
"The fact that students are doing an internship helps them in their applications for a paid job. You need the experience to get the job and if you have to pay for it then it is worth it."

Wo steht das denn?
In einem Bericht der englischen Zeitung The Guardian. Darin wird ein Modell vorgestellt, dass in Großbritannien immer populärer wird: Junge Menschen bezahlen einer Agentur Geld, damit diese ihnen Praktikumsplätze, meistens im Ausland, vermittelt.

Das Modell ist einfach: Zwischen 1000 bis 4000 Pfund (bis zu 4584 € also) kann der erkaufte Praktikumsplatz in Shanghai kosten. Mit etwas Glück gibt es eine Unterkunft dazu, der Flug muss aber selbst bezahlt werden. Auch sind die Stellen in vielen Fällen unbezahlt. Eine dieser Agenturen, CRCC Asia „expects to expand further next year and possibly start offering opportunities in Hong Kong“. Das Prinzip funktioniert also. Kein Wunder, denn bedenkt man Chinas Rolle in der Weltwirtschaft, können dort absolvierte Praktika durchhaus Eindruck bei den Arbeitgebern im Heimatland schinden, wie Edward Holroyd Pearce, der Londonvertreter von CRCC Asia, bestätigt.

Ein anderes Modell funktioniert folgendermaßen: Firmen versteigern Praktikumsplätze an den Höchstbietenden, das Geld wird einem Guten Zweck gespendet. Auch diese Methode ist scheinbar beliebt.  

Annika Wörsdörfer, vom Deutschen Gewerkschaftsbund Jugend (DGB-Jugend) Baden-Württemberg, hält solche Modelle in Deutschland für unvertretbar. „Ich hoffe nicht, dass es so ein Modell in Deutschland gibt. Es artet bereits genug aus, dass junge Menschen und Hochschulabsolventen Prakitka absolvieren müssen, um überhaupt einen Job zu bekommen. Ich sehe diese Entwicklung hochproblematisch, mit diesem Modell bereichern sich die Firmen und junge Menschen werden kostenfrei exportiert.“

Was sagt das Zitat aus?
"The fact that students are doing an internship helps them in their applications for a paid job." Dieser Teil der Äußerung ist keine Neuigkeit. Praktika sind auf jeden Fall gerngesehene Punkte in Lebensläufen, wenn man sich für eine feste Stelle bewirbt. In vielen Jobs ist eine Bewerbung ohne vorherige Praktika sogar unmöglich. Der zweite Teil allerdings stimmt bedenklich: "You need the experience to get the job and if you have to pay for it then it is worth it." Wenn man, um einen Praktikumsplatz zu erhalten, sogar bezahlen muss, ist es die Erfahrung im Ausland vielleicht wert, aber was sagt das über das System aus? In Großbritannien scheint es so schwer zu sein Praktikumsstellen zu erhalten, dass Bewerber zu diesem Mittel greifen. Alleine bei der Agentur CRCC Asia gingen dieses Jahr bisher 3600 Bewerbungen ein.  

Wenn das Geld derart im Vordergrund steht, ist es nicht verwunderlich, dass es hierzu auch kritische Stimmen gibt. Menschen die Möglichkeit zu geben, sich einen Praktikumsplatz zu kaufen, schließe diejenigen aus, die zwar talentiert, aber eben nicht reich seien, so andere Kritiker.

Auch in Deutschland ist es nicht immer einfach einen Praktikumsplatz zu erhalten. Ein solches Modell gibt es hier aber trotzdem noch nicht. Ob es, wie in Großbritannien, eine Zukunft hätte, kann allerdings nicht ausgeschlossen werden. 




Text: pierre-jarawan - Foto: SWR/Sabine Hackenberg/dapd

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