Schlag gegen Tauschbörsen: Was bringt der Polizei-Einsatz gegen edonkey?

Teile diesen Beitrag mit Anderen:

Angestrichen: „Es handelt sich um das größte Verfahren, das jemals in Deutschland gegen illegale Angebote in Internettauschbörsen durchgeführt wurde.“

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Wo steht das denn? In einer Meldung der Deutschen-Presseagentur vom Dienstag. Der zitierte Satz stammt von einem Sprecher der Staatsanwalt in Köln. Er könnte aber auch aus einer Pressemitteilung der Musikindustrie oder aus einer von ihr bezahlten Kampagne stammen. Denn der nach dpa-Angaben „größte Schlag gegen den illegalen Tausch von Musiktiteln“ wurde verbreitet wie die Berichterstattung über Kinderpornographie und Terrorismus: 130 Häuser und Wohnung wurden durchsucht, 3500 Verdächtige identifiziert, die bis zu 8000 Dateien über die Tauschbörse eDonkey angeboten haben sollen. Das ganze sei „bundesweit zeitgleich gestartet und gemeinsam von der Staatsanwalt Köln und der Kreispolizeibehörde Rhein-Erft-Kreis koordiniert“ worden. Am Ende wurden „Computer und andere Beweismittel“ sichergestellt und die „Strafverfolger“ für „monatelange Ermittlungen“ im Text gewürdigt.

Default Bild

Illustration: Julia Schubert


Neben den bedrohlich addierten Fakten transportiert eine solche Meldung vor allem eins: die Atmosphäre von Angst und eine öffentliche Kriminalisierung von Tauschbörsen. Dass durch diese „bundesweiten“ Aktionen hingegen tatsächlich ein Bewusstsein für das ungelöste Problem eines adäquaten Urheberrechts geschaffen wird, ist nicht anzunehmen.

Interessanterweise vergingen keine drei Minuten bis dpa eine weitere Meldung verschickte, die aber nicht annährend solche mediale Verbreitung erlangte wie der „größte Schlag“ gegen „illegale Musiktauscher“: „Software-Piraterie in Deutschland erstmals rückläufig“ stand über dem Text, der von einer aktuellen Studie des Branchenverbands BSA (Business Software Alliance) berichtete. Diese hatte herausgefunden, dass erstmals seit rund zwölf jahren, der Anteil von Raubkopien auf dem deutschen Computerprogramm-Markt gesunken sei. Mehr zum Thema Urheberrecht auf jetzt.de:
- ein Interview mit dem amerikanischen Copyright-Experten Lawrence Lessig, der erklärt, warum er für eine Abschaffung des Kopierschutzes ist. - ein Gespräch mit Rickard Falkvinge, der in Schweden die Piratenpartei gegründet hat, die sich für Datenschutz und gegen Copyright einsetzt. - ein Porträt der Filmemacher Ben Franzen und Kembrew McLeod, die den Film "Copyright Criminals" gedreht haben. - der Hinweis auf die britische Website indieish.com, die jeden Tag einen Song unter Creative Commons Lizenz zum Download anbietet. - ein Gespräch mit Musiker Jonathan Coulton, der ein Video aus Bildern gemacht hat, die alle der Creative-Commons-Lizenz unterliegen. - eine Wortschatztruhe, in der der Begriff Privatkopie erläutert wird. - ein Textmarker, in dem die Kritik der SPD-Fraktion am neuen Urheberrecht thematisiert wird.

  • teilen
  • schließen