Terrorismus auf der Farm der Tiere

Cover: Rotbuch angestrichen: Was die ganze Sache so nett machte, war die Tatsache, dass sie denken konnten, dass sie genau das immer gewollt hatten – auch wenn sie auf den Feldern arbeiteten! Wo steht das denn? In John Reeds neuem Buch "Jahrmarkt der Tiere“, der Fortsetzung von Orwells berühmtester Fabel "Farm der Tiere“: Napoleon, gemeiner Diktator und fettes Oberschwein der Farm, stirbt.
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Illustration: Julia Schubert

Cover: Rotbuch angestrichen: Was die ganze Sache so nett machte, war die Tatsache, dass sie denken konnten, dass sie genau das immer gewollt hatten – auch wenn sie auf den Feldern arbeiteten! Wo steht das denn? In John Reeds neuem Buch "Jahrmarkt der Tiere“, der Fortsetzung von Orwells berühmtester Fabel "Farm der Tiere“: Napoleon, gemeiner Diktator und fettes Oberschwein der Farm, stirbt. Schneeball, vermeintlicher Verräter und Todfeind, kommt zurück – als beaktenkofferter Akademiker-Eber im Nadelstreifenanzug. Schneeball kann die anderen Tiere schnell davon überzeugen, dass er eigentlich ein lieber Kerl ist und bringt ein bisschen Demokratie und Optimismus auf die Farm zurück. Die Wahl – die Tiere konnten frei entscheiden, wie sie das einzige vorbereitete Kästchen ankreuzen können – gewinnt der Kandidat, der von Schneeball manipuliert und favorisiert wird. Schneeball führt die Marktwirtschaft auf der Farm der Tiere ein, das neue Motto heißt: Alle Tiere sind gleich – was sie daraus machen, liegt bei ihnen. Die Farm wächst, aus Marktwirtschaft wird Kapitalismus, alte Feinde gehen, neue kommen und schließlich eröffnet der Jahrmarkt der Tiere, ein Fun-Park für Vierbeiner. Der Lebensstandard wächst. Doch die fundamentalistischen Terror-Tiere von Nebenan planen einen Anschlag auf die strombringenden Zwillingswindmühlen. John Reed hat eine wunderbare Fortsetzung von George Orwells Klassiker "Farm der Tiere“ geschrieben. Er schreibt aus der Sicht naiver Tiere, die nicht ganz verstehen, was um sie herum passiert und schon gar nicht, dass ihre Lebensweise die religiösen Fanatiker, die Biber, stört. Aus Orwells Sowjetrepublik ist, und hier hakt es ein bisschen, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten geworden. Der Roman zeigt, wie eine Nation zu Wohlstand kommt und schließlich nur noch eine letzte Gefahr droht – der Terrorismus. John Reed übt Kritik an Religion, Kapitalismus und falscher Heiligkeit. Was er hier schreibt, kommt einem sehr bekannt vor und ist wundervoll satirisch erzählt. Steht im Bücherregal zwischen: Orwells "Farm der Tiere“, klar, und Dave Barrys "Die Achse des Blöden – Eine politische Evolutionstheorie der USA“, einem, wie der Autor selbst sagt, "halbwegs anständigen Buch über etwas derart komplexes wie die US-Regierung“. "Jahrmarkt der Tiere – Ein satirischer Roman“ von John Reed. Erschienen im Rotbuch Verlag. 144 Seiten. 17 Euro 90.

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