Textmarker: Der Banksy-Backlash

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"If anything it backfired and showed just how little respect he has within our community. It also gave me the opportunity to shine a light on graffiti, to show that writers aren't just spotty teenagers that draw on bus-stops, we can be witty and funny in a way Banksy can't, because he's not radical he's just a toy with a PR team."

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Illustration: Julia Schubert



Wo steht das denn?
In einer Reportage über den langjährigen „Graffiti-Krieg" zwischen dem Graffiti-Künstler Robbo und dem Street-Art-Künstler Banksy, der irgendwann in den 1990er Jahren auf einer Party begann und seinen Höhepunkt fand, als Banksy 2009 eines der ältesten Londoner Graffito – von eben jenem Robbo - übermalte, was wiederum Robbo an einem Dezember-Morgen dazu motivierte, das Banksy-Kunstwerk mit den Worten „King Robbo" zu verschönern. Die Tatsache, dass die Londoner Behörden darauf  den Schriftzug „King Robbo" entfernten, während sie gleichzeitig das Werk Banksys zu erhalten versuchten, ist da nur ein weiteres Anzeichen der leicht wirren Wahrnehmungen von Kunst im öffentlichen Raum. Der Artikel, der seinen Ursprung in plötzlich aufflammenden Hassgefühlen der Autorin auf Banksy nahm, ist einer von mehreren nicht unerheblichen Backlashes gegen den Mann, der nichtsdestotrotz weiterhin auf einer Welle des Erfolgs reitet:

Banksys Film „Exit Through The Gift Shop" steht auf der Shortlist der Dokumentarfilme, die am 25. Januar für den Oscar nominiert werden. Und die Chancen auf diese Auszeichnung stehen laut Branchen-Gerüchten nicht schlecht für den Film, der seinen Anfang in einem Portrait über Banksy genommen haben soll, das so gründlich misslungen sei, dass der Autor Thierry Guetta das Material Banksy überließ und so selbst zum Gegenstand der Dokumentation wurde.

Doch auch aus dieser Ecke droht ihm Ungemach. Der Schweizer Regisseur Joachim Levy beklagte sich in der vergangenen Woche in der Welt bitterlich über Banksys Verhalten ihm gegenüber. Levy habe nicht nur mehr als zehn Prozent des Filmmaterials selbst gefilmt, er habe den Film auch geschnitten - Banksy habe aber seinen Namen weder im Abspann, noch sonst wo erwähnt und Geld habe er auch nicht bekommen. Sollte sich daran nichts ändern, droht Levy, den Künstler zu wegen Urheberrechtsverletzung zu verklagen.
Besonders pikant dabei: Eine Klage kann in der Schweiz nicht gegen ein Pseudonym eingereicht werden, weshalb Levy nun droht, Banksys Pseudonym mit diesem Prozess zu enttarnen - Insiderkenntnis habe er genug, seitdem er 2006 einen Monat mit dem Künstler gelebt und ihn bei seiner Arbeit begleitet haben will.

Doch selbst wenn es sich bei dieser Geschichte wieder nur um einen Hoax handeln sollte, die Identität Banksys ist weiter in Gefahr: Die wird nämlich gerade auf Ebay versteigert von einem User namens jaybuysthings, der behauptet durch ein paar simple Abgleichungen von Kunstverkäufen und Steuerbescheiden die wahre Identität des Künstlers enttarnt zu haben. Weil Ebay nur die Auktionen von tatsächlichen Gegenständen und nichts ideellem, wie zum Beispiel der Jungrfräulichkeit, der Seele oder anderen Konstrukten, erlaubt, wurde eine andere Auktion von jaybuysthings schon beendet. Doch jetzt hat der User die Information auf einen Zettel notiert, der gerade eben versteigert wird. Die Auktion dauert noch fast zwei Tage, momentan bieten 27 Personen auf das Stück Papier, das gerade bei 110 300 Dollar liegt.

Text: christina-waechter - Bild: rtr

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