Verrückte Nackte

Ein Künstler ruft Melt!-Festival-Besucher dazu auf, sich für ein Kunstprojekt auszuziehen.
maria-freilich

Angestrichen: nakedHEART ist nicht nur eine Kunstaktion. Es ist ein Erlebnis und eine Bewusstseinsveränderung. Jeder Teilnehmer soll mit „Stolz“ zurückblicken sich an einer guten Sache eingebracht zu haben und später sagen können „Da habe ich mitgemacht“. Das Projekt kann nur gemeinsam entstehen. WIR können es entstehen lassen. WE ARE BETTER TOGETHER. Vielleicht wirst Du später auch sagen, das war das Verrückteste, das ich je in meinem Leben gemacht habe. Wo steht das denn? Auf der Website naked heart! Der Fotograf und Künstler, Gerrit Starczewski, 24, möchte am Samstag, den 17. Juli, möglichst viele Nackte auf dem Melt-Festival fotografieren. „Meine Vision ist es“, schreibt der auf der Website, „vor der Hauptbühne ein großes Herz aus nackten Menschen entstehen zu lassen. Das Herz, als Symbol für Liebe und Frieden.“

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Illustration: Julia Schubert

Nacktsein, das klang mal nach Bürgerschreck Mega-Freiheit und Kommune 1, später dann auch nach kleiner, privater Freiheit (FKK in der DDR) und nach „Ois easy, Oida“ (am Münchner Eisbach). Heute aber teilt das Nackigsein in Sachen Revolutionspotenzial das Schicksal von Kiffen und dem Zusammenleben in einer Wohngemeinschaft: Kann man machen, passt schon aber interessiert auch keinen. Das Nackigsein ist längst in unseren Alltag eingedrungen. Ein nackter Körper ist von unserem Computerbildschirm genau zwei Klicks entfernt. Manche von uns hatten Eltern, die nackt durchs Haus liefen. Die Kinder fanden das nicht aufregend, es war ihnen peinlich. 45.000 Deutsche sind in FKK-Vereinen organisiert und laut des Präsidenten des Deutschen Verbandes für Freikörperkultur, Kurt Fischer, sympathisieren weitere sieben Millionen mit dem Nacktbaden. Und beim Roskilde-Festival in Dänemark gibt es alljährlich einen „Naked Run“ (siehe Foto). Wenn also heute jemand zum öffentlichen Nacktsein aufruft, ist das vollkommen in Ordnung. Nur ist das in etwa so verrückt, wie während des Studiums in einer WG zu wohnen. Riskant am zeitgenösischen Nacktsein ist lediglich, dass die eigenen Bilder im Internet veröffentlich werden könnten. Auf der Website zur Melt-Aktion heißt es dazu: "Die Bilder erscheinen exclusiv im INTRO Magazin, dem Giddyheft und werden erstmalig im Rahmen einer Ausstellung beim Berlin Festival zusehen sein."

Text: maria-freilich - Foto: afp

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