Viereinhalb Sterne für die Kohlmeise

Neuer Service: Mit der Seite wiki-watch.de lässt sich die Zuverlässigkeit von Wikipedia-Einträgen überprüfen.
bernd-kramer

Angestrichen 29,24 Millionen Mal wurde die deutschsprachige Wikipedia gestern benutzt! 16,68 Millionen Artikel in 273 Sprachen waren im vergangenen Monat eingestellt. Und jede Minute werden es mehr. Aber wir Nutzer wissen praktisch nichts über Wikipedia, nichts außer ein paar Mythen.

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Illustration: Julia Schubert

Wo steht das? Auf wiki-watch.de, einem neuen Portal, das Medienrechtler der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder jetzt gestartet haben. Die Seite will mehr Licht in die Wissenswelt von Wikipedia bringen – und bietet einen Zuverlässigkeitscheck für Artikel der Online-Enzyklopädie. Der User muss dafür den Titel des Artikels eingeben und die Software rechnet aus, wie vertrauenswürdig er ist. Dazu analysiert das Programm unter anderem, wie viele Autoren an dem Beitrag mitgeschrieben haben, wie oft er geändert worden ist und wie viele Quellenangaben es relativ zur Textlänge gibt. Wie genau sich das Gesamturteil zusammensetzt, beschreiben die Macher in ihrem Blog. Ein stichprobenartiger Test mit willkürlichen Suchanfragen legt den Eindruck nahe, dass Wikipedia insgesamt durchaus gute Dienste leistet. Die „Kohlmeise“ erhält viereinhalb von fünf Sternen, ebenso „Helmut Kohl“ und „Kohlrabi“. Vor einigen Jahren hatte das Wissenschaftsmagazin „Nature“ bereits Wikipedia mit der professionellen Enzyklopaedia Britannica verglichen und keine gravierenden Qualitätsunterschiede festgestellt. Was gibt es auf der Seite sonst noch? Ein paar interessante Blicke hinter die Kulissen von Wikipedia. Zum Beispiel erfährt man, welche Artikel in jüngster Zeit am häufigsten aufgerufen worden sind („Kommutativgesetz“, „Harry Potter“), an welchen gerade besonders eifrig gearbeitet wird („Ria Sabay“, die Teilnehmerin von „Schlag den Raab“, 40 Bearbeitungen in den letzten drei Tagen, gefolgt von „Schlag den Raab“, 38 Bearbeitungen), um welche gerade besonders gestritten wird („Mercedes-Benz C 218“), welche gesperrt („King Kong“, „255“) und welche gelöscht worden sind („Bumsbirne“). Das klingt zwar eher kurios. Aber manchmal können solche Statistiken auch wie ein Seismograf sein: Im letzten Monat war „Stuttgart 21“ einer der Artikel mit den meisten Bearbeitungen ebenso wie der „Protest gegen Stuttgart 21“. Der Kampf um die Deutungshoheit wird eben auch bei Wikipedia ausgetragen.

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