"War was?"

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Angestrichen: Aus dem Verkauf zweier Festspiel-Tickets auf der Internet-Auktionsplattform ebay[…] zieht nun Stadtrat Andreas Küffner persönliche Konsequenzen. […] "Ich reagiere aus freien Stücken auf den Wirbel, der in den letzten Tagen um meine Person entstanden ist und erkläre hiermit meinen Rücktritt als Kreisvorsitzender der Jungen Union in Bayreuth. Weiterhin lege ich meine Ämter als stellvertretender Vorsitzender im CSU Ortsverband Bayreuth-Süd sowie mein Amt als Schatzmeister in der gemeinsamen Fraktion aus CSU und BT go! nieder.“ […] An seinem Stadtratsmandat aber hält Küffner fest. Wo steht das denn? In einem Beitrag auf der Internetseite der Bayreuther Lokalzeitung Nordbayerischer Kurier. Andreas Küffner, 25, ist seit Jahren aktiv in der Jungen Union und sitzt seit März 2008 im Bayreuther Stadtrat. Angetreten war er zusammen mit seinem Fraktionskollegen Oliver Gerhards für die Liste „BT go!“, einem Verein junger Bayreuther, die genug davon hatten, dass ihre Generation im wichtigsten Entscheidungsgremium der Stadt nicht vertreten waren. Nach der Wahl schlossen sich Küffner und Gerhards mit der CSU-Fraktion zusammen. (jetzt.de berichtete über die Gründung von BT go! und über den Einzug in den Stadtrat.)

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Illustration: Julia Schubert

Gerhards (links) und Küffner auf einem Bild aus dem Jahr 2007. (Foto: FZ) Seit einer Woche nun hat Andreas Küffner ein Problem: Der 25-Jährige hat zwei Karten für eine die Bayreuther Festspiele bei ebay verkauft – was er nicht hätte tun dürfen, erst recht nicht, weil er dabei über 1000 Euro Gewinn gemacht hat. Dazu muss man wissen: Karten für die Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele sind überaus begehrt und werden nach einem ausgefeilten System vergeben. Wer einen Bestellschein ausfüllt, hat erstmal so gut wie keine Chance, kommt aber auf eine Liste. Bestellt er im nächsten Jahr wieder, verbessern sich die Chancen – und irgendwann klappt es. Aber nur dann, wenn der Besteller auch wirklich jedes Jahr einen Bestellschein einschickt. Wenn nicht, wird er von der Liste gestrichen und muss von vorne anfangen. Es gibt allerdings Ausnahmen: Premierengäste werden eingeladen, Mitglieder des Fördervereins „Freunde von Bayreuth“ haben ein besonderes Kartenkontingent, Bayreuther Stadträte dürfen jährlich zwei Karten kaufen. Für den Privatgebrauch. Küffner ist Stadtrat und nutzte sein Sonderrecht. Er kaufte Karten für eine Vorstellung des „Lohengrin“ am 27. August und stellte sie am 19. August bei ebay ein: zwei „exzellente Plätze“ für 400 Euro in der 14. Reihe. Startpreis: 1 Euro. Höchstgebot: 1509 Euro. „Leider sind wir selbst verhindert“, steht in der Angebotsbeschreibung auf ebay. „Dass ich die Karten nicht hätte weitergeben dürfen, war mir nicht bewusst“, sagte Küffner dem Nordbayerischen Kurier. Dass er die Karten im Kartenbüro des Festspielhauses hätte zurückgeben können und er dafür das Geld zurückbekommen hätte, will er auch nicht gewusst haben. Auf Anraten von Bayreuths Oberbürgermeister Michael Hohl, einem Parteifreund Küffners, will dieser die Einnahmen spenden. Am Samstag witzelte Küffner auf Twitter: „War was?“ Am Sonntag schließlich erklärte er seinen Rücktritt – von allen Ämtern, aber nicht von seinem Stadtratsmandat. Küffners Mitstreiter und Fraktionskollege Oliver Gerhards hat schon seit einigen Wochen Ärger am Hals: Ein Bayreuther Autohändler wollte für ein Grundstück eine Nutzungsänderung beantragen. Das Grundstück liegt in einem Industriegebiet, der Antrag wird abgelehnt. Der Händler ist Mitglied der CSU und sucht in der Partei nach Unterstützern. Die Partei verspricht zu helfen, Gerhards versucht, Mehrheiten herzustellen und schreibt eine E-Mail, die an die Öffentlichkeit gerät. In der E-Mail: vertrauliche Einzelheiten aus einer Bauausschuss-Sitzung und eine im Ton verunglückte Einschätzung Gerhards‘ über das Abstimmungsverhalten der Ratskollegen. Gerhards musste ein Ordnungsgeld zahlen, am Sonntag trat er als Vorsitzender des Vereins BT-go und als stellvertretender Fraktionschef zurück. Um den Verein „BT go!“ ist es seit der Stadtratswahl sehr still geworden: Der letzte Eintrag auf der Internetseite stammt vom 23. März 2008, drei Wochen nach der Wahl. Die Überschrift: "Wir sind Stadtrat."

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