Wie reden wir eigentlich miteinander?

Um die Debattenkultur im Netz zu heben, hat die Piratenpartei die SGShitstorm gegründet.
dirk-vongehlen

Angestrichen:

Es geht darum, dass der Tonfall einer Diskussion weniger aggressiv und verletzend sein soll. Wenn man der Meinung ist, dass jemand etwas falsch gemacht hat, kann man darauf auch auf eine etwas neutralere Art hinweisen.

Wo steht das denn?

Auf der Website der Piratenpartei. Dort hat sich in dieser Woche die "Support-Group-Shitstorm" gegründet, die für ein besseres Diskussionsklima im Netz sorgen will. Denn auch wenn die Piraten gerade sehr daran arbeiten, ihr Image als reine Netzpartei zu verlieren - ihre parteiinterne Meinungsfindung findet im Netz statt. Und trifft dort auf netztypische Phänomene - wie zum Beispiel das inhaltliche und stilistische Entgleiten von Debatten. Das nennt man gemeinhin Shitstorm und wer es schon mal erlebt hat, weiß: Ein Shitstorm ist kein Spaß.

Deshalb will die SGShitstorm frühzeitig aktiv werden und dem Aufkommen derart unangenehmer Stürme vorbeugen. Aber auch in einer entgleitenden Auseinandersetzung wollen die Piraten zur Stelle sein. Damit bedienen sie eine schöne Parteitradition, die Anfang des Jahres bereits mit dem Telefon des Zorns begonnn wurde. 

Gemeinsam ist diesen Aktionen der Wunsch nach einer zivilisierten Auseinandersetzung im Web. Um die zu erreichen, braucht es auch im Netz Mut. Der Berliner Webdiskutant Johnny Haeusler sprach deshalb unlängst von Anregungen zur digitalen Zivilcourage hat er mit einer Leitlinie zum engagierten Netzverhalten unterfüttert. Er beschreibt sehr detailliert, wie man sich gegen neo-nazistische Inhalte auf YouTube wehren kann. Denn die Frage, die Johnny Haesuler so formuliert, stellt sich für jeden, der im Netz surft: "Übernehmen wir also bewusst aktive Verantwortung für unsere digitale Umgebung?"   Jana Herwig hat diese Verantwortung übernommen. Vor über einem Jahr hat sie die Kampagne A Comment a day gestartet. Mittlerweile scheint das Projekt zu ruhen. Aber es bleibt wichtig, auf derartige Aktionen hinzuweisen. Völlig egal, ob man die Piratenpartei mag oder nicht.   Denn das, was die Support-Group-Shitstorm da etwas ungelenk formuliert, ist ein Ziel, das jeder haben sollte, der an guten Debatten im Netz interessiert ist: "Wir wollen darauf hinarbeiten, dass einen Shitstorm zu veranstalten nicht mehr angenehm, cool und lustig ist, sondern dass es einen Lerneffekt gibt und wir alle für einen weniger aggressiven Diskussionsstil sensibilisiert werden, so dass wir uns einsetzen, wenn wir Zeugen werden und die Betroffenen unterstützen können." 
  • teilen
  • schließen