Dr. Sommers Tierleben: Pinguinweibchen gehen Anschaffen

Tiere sehen nicht nur anders aus. Sie haben auch anders Sex. Manchmal sind sie uns aber auch ganz schön ähnlich. In der Antarktis treiben es die Pinguine zum Beispiel ganz schön bunt: Die Weibchen der Adelie-Pinguine sind für bezahlten Sex zu haben und bieten ihn Pinguin-Junggesellen an.
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Sobald der eigene Partner bei der Arbeit ist, im Fall der Pinguine also beim Fischeholen, schleicht sich das Pinguin-Weibchen zum Singlemännchen vom Nachbarnest und versucht es mit seiner Erotik zu verlocken. Geht der Mann darauf ein, kommt es zum Quickie, der mit dem Wertvollsten bezahlt wird, das ein Pinguin besitzt: kleine Steinchen, die zum Nestbau verwendet werden und nur äußerst schwierig unter großem Aufwand zu bekommen sind. Daher sind sie auch so wahnsinnig begehrt.

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Illustration: Julia Schubert

"Und du bist sicher, dass der von mir ist?" - den Pinguinmännern werden Kuckuckseier untergeschoben.Foto:obs Die Anzahl der Steine, die gezahlt werden, wird dabei vom Grad der Befriedigung des Freiers bestimmt. Ist die erotische Ausstrahlung des Weibchens groß genug, reicht es auch oft, dem Interessenten nur schöne Augen zu machen, um an die Steine zu kommen - denn bisweilen rücken die Männchen auch freiwillig ihren Kies raus. Besonders pikant an der ganzen Sache ist, dass dem betrogenen Ehemann zu guter Letzt auch noch ein Kuckucksei von seiner Gattin untergeschoben wird, da er nicht nachprüfen kann, von wem der Nachwuchs wirklich stammt. Und als sei das nicht schon schlimm genug, müssen die betrogenen Partner die Eier ihres Nebenbuhlers auch noch ausbrüten. Das Weibchen gibt sich nämlich mit so einer niederen Arbeit nicht ab, sondern widmet sich erst bei der Aufzucht ihren Jungen. Zum Zweck dieser Hurerei gibt es momentan noch vielerlei Theorien. Aus der Sicht des Männchens dient der Vorgang ganz klar der Arterhaltung: Der Vogel strebt danach, seine genetische Information an möglichst viele Nachkommen weiterzugeben, also möglichst viele Weibchen zu befruchten. Die Absicht des Weibchens ist dagegen nicht ganz so ersichtlich. Zum einen könnte sie das Ziel verfolgen, durch ihr Fremdgehen die Qualität und die genetische Variabilität ihrer Nachkommen zu verbessern. Eine andere Theorie hingegen besagt, dass sie es schlichtweg als Vorsorgemaßnahme betrachtet - an die nächste Brutzeit voraus denkend, hält sie sich nämlich mehrere ihrer Liebhaber warm, für den Fall dass ihr Alter bereits vorher gefressen wird.

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