Dr. Sommers Tierleben: Sing, sing, du sexy Ding

Was die Spex-Leser in unserer Welt, das sind in der Tierwelt die Buckelwale: Wie alle Indie-Popper da draußen stehen sie auf schräge Musik, geben sich gerne geheimnisvoll und benutzen Musik nur aus einem einzigen Grund – um Frauen flachzulegen, und zwar reihenweise.
roland-schulz

Was die Spex-Leser in unserer Welt, das sind in der Tierwelt die Buckelwale: Wie alle Indie-Popper da draußen stehen sie auf schräge Musik, geben sich gerne geheimnisvoll und benutzen Musik nur aus einem einzigen Grund – um Frauen flachzulegen, und zwar reihenweise.

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Illustration: Julia Schubert

Buckelwal, frisch aus dem Underground Immer wieder winters, wenn die Buckelwale ihre coolen Lebensräume in den Gewässern der Arktis verlassen und sich in ihre Winterquartiere in subtropischen Meeren zurückziehen, hebt dort ein Singen an, so mächtig und geheimnisvoll, als bliese Björk unter der Dusche auf dem Kamm – es liegt so eine old-schoolhafte Realness darin, obwohl alles soundtechnisch extrem ausgetüftelt daherkommt (oder was zum Kuckuck die Spex da schreiben würde). Der Gesang der Buckelwale ( hier eine Hörprobe, Rezensionen bitte unter diesen Text) leitet die Orgie der Fortpflanzung ein: Einmal im Singen, werden die Buckelwal-Männchen aggressiv und bedrohen Rivalen mit weit aufgerissenem Maul oder rammen sie, zeigen also typisches Tanzflächen-Verhalten. In diesen Kämpfen sind die Gewalt und die Musik ebenbürtig: Beides dient dazu, über Rivalen zu dominieren, was beim Singen mit dem wunderbaren Fachbegriff „akustischer Rivalenkampf“ beschrieben wird. In diesem Wettstreit wird ermittelt, wer das gerade attraktivste Weibchen begatten darf. Der siegreiche Buckelwal nimmt das Weibchen mit sich, nach ein paar Stunden Sex kehren beide zurück und suchen sich neue Partner – alles geht von vorne los. Dabei wird die ganze Zeit über gesungen. Diese Fortpflanzungs-Orgie kann Tage dauern. Wer als schickes Indie-Mädchen jetzt darüber nachdenkt, doch mal so einen crazy Buckelwal kennen zu lernen, um sich von seinem Gesang ins Wasserbett locken zu lassen, der sei gewarnt – ein Buckelwal-Junges ist bei Geburt rund fünf Meter groß, wiegt um die 900 Kilo und will ein Jahr lang gesäugt werden. Mit 500 Litern Milch täglich. Bild: ap

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