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Dr. Sommers Tierleben: Was sich liebt, das frisst sich

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Sammler schöner Worte lieben die Biologie, weil es da so klasse Worte wie Wiedehopf oder Ostkreischeule gibt, aber auch Wortkombinationen, wie, brrrrr, diese hier: Sexueller Kannibalismus. Was ist das? Das ist die Wahrheit hinter dem Song „Maneater“: Mann schläft mit Frau, und währenddessen oder direkt danach isst Frau Mann auf, gerne ganz oder wie Heinz Sielmann sagen würde: „Mit Haut und Haarrrrr.“ Da bekommt der Begriff Coitus interruptus einen ganz neue Bedeutung.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Die Gottesanbeterin, hier von zwei noch nicht verdauten Menschen-Männchen bewundert Sexueller Kannibalismus passiert recht häufig in der Welt der Tiere. Bei der Gottesanbeterin zum Beispiel, die Mutter aller Maneaterinnen, aber vor allem bei Spinnen: Wespenspinnen, Kreuzspinnen oder Randnetzspinnen – sexuelle Kannibalen. Im Fall der australischen Kugelspinne sieht das so aus: Das Männchen begattet das Weibchen, während sie bereits an seinem Unterleib knabbert. Ist der ausreichend zerkaut und der erste Begattungsvorgang abgeschlossen, zieht sich das Männchen einige Zentimeter zurück und führt, als verstümmelter Mann, noch mal seinen Werbetanz um das Weibchen auf, die ihn darauf nochmals ranlässt und dann auch den Rest von ihm verspeist. Das Schicksal ist unausweichlich, auch wenn Männchen anderer Spinnenarten im Laufe der Evolution versucht haben, ihrem Schicksal zu entkommen: Die Männchen einiger Randnetzspinnenarten konstruieren für die Begattung extra einen langen Faden, auf das sie das Weibchen zum Liebesspiel locken. Haben sie es geschafft, ihre mit Samen gefüllten Vorderbeine in den Geschlechtsspalten am Bauch der Weibchen zu stopfen, springt der Spinnerich wie Tarzan vom Weibchen weg, schnellt vom Faden und schwingt sich fort, in der Hoffnung, dem gefräßigen Weibchen zu entkommen. Kann auch schief gehen. Dann gibt´s halt doch noch was Kleines zu essen nach dem Sex. Biologen fragen sich: Warum machen die Viecher das denn, diesen sexuellen Kannibalismus? Manche sagen, die Weibchen selektieren so gleich den besten männlichen Begatter, weil langsame Männchen auch schon vor dem Sex verspeist werden, wenn es blöd läuft. Manche sagen, die Männchen lassen sich bereitwillig verspeisen, weil so ihre Chance steigt, ihr Erbgut in die Welt zu bringen: Sie haben mehr Zeit, ihr Weibchen zu begatten, wenn das damit beschäftigt ist, sie aufzufressen. Es gibt aber auch Biologen, die sagen: Sexueller Kannibalismus, das ist doch nur die Folge des gefräßigen weiblichen Appetits. Nicht-Biologen, zumindest männliche, fragen sich aber: Warum fressen immer nur Weibchen ihre Männchen beim Sex? Foto: ap

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