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Ein Centstück zum Nichtverhüten

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Schmuff! Die letzte Topsexliste ist bereits 14 Tage her, es gibt was aufzuholen. Hat anyone mitbekommen, dass sie in Sydney, wo die Menschen von uns aus gesehen Kopf stehen und auch so denken, was Neues ausprobiert haben? Wobei, es waren weniger die Australier, es waren die Schweden: IKEA hat zur Feier des Vatertags in einer Filiale in Känguruhausen vier Tage lang ein Mänland eröffnet. http://www.youtube.com/watch?v=9uQKNwb729g Frauen, deren Partner beim Möbelshoppen nur Nörgeln, bekommen damit eine Abstellmöglichkeit serviert. Die Männers dürfen X-Box spielen, Kickern und Chips mampfen, während die Damen das Eigenheim mit Möbelkram anreichern. Und, hihi, die Frau kriegt einen Buzzer ans Handgelenk: Wenn der Mann heim will, drückt er einen Knopf, von wegen: „Hermann kann im Mänland abgeholt werden.“ Das Ganze klingt nach schlimmem Klischeegeschlechtergewurstel zwecks PR. Wir heben gelangweilt die Achseln. Echte Brisanz werden wir dem Thema erst zumessen, wenn Alice Schwarzer einen Brief an IKEA schreibt, in dem sie sich ein Fruland wünscht. Auf die Art wird ja aus jedem lahmen Thema ein Ast, auf dem die Debatten hocken können: Die Schwarzer muss es gut oder mies finden. Aber die Schwarzer hat gerade keine Zeit, weil sie ihre Biografie namens „Lebenslauf“ in die Öffentlichkeit halten muss.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Zurecht, schreibt Chris Köver vom Missy-Magazin in der ZEIT: „Die Alice Schwarzer kannte man so bislang noch nicht. Eine, die als Mädchen für Elvis schwärmt. Die mit 14 am Waldrand den ersten Jungen küsst. Mit den Freundinnen per Autostopp nach Hamburg, München, Paris, Nizza trampt. An den Freund in Paris schreibt sie damals so herzergreifend leidenschaftliche Sätze wie: „Ich sterbe vor Hunger auf Alles! Absolut Alles!“ Einen Moment lang fängt man dann echt an, sich wieder für sie zu interessieren. Klickt auf ihre Homepage. Und sieht wieder die Bilder, die Schwarzer beim Kachelmannprozess zeigen, über den sie, Heiligs Blechle, für die BILD berichtete. Schmuff. 

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Kann sein, dass die Topsexliste heute ein bisschen weniger ultrasexig und eine Nummer politischer gerät. Aber bitteschön: Sex ist eben überall. Auch in Russland, wo es, entgegen mancher Annahme, nicht immer Wodkatemperaturen hat. Diesen Schluss zumindest zieht man, wenn man sich durch die voluminöse Putin-Galerie scrollt, die The Atlantic im Stile des Boston Globe Big Picture bereit hält.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Er fliegt, schwimmt, kämpft, taucht, er kümmert sich um alle Action-Tunwörter, die es gibt. Dagegen, muss man jetzt so sagen, sieht Charles Schumann, der Münchner Barkeeper, der gerade und schon wieder im Zeit Magazin mit großem Bimbambino als echter Mann besungen wird, recht eindimensional aus. Get a life, Charles! Explore the Action-Tunwörter!  

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An dieser Stelle ein Hinweis auf den Designer aus Berlin, der was Ballaballamäßiges erfunden hat: eine Spirale, die nicht funktioniert. So sieht sie aus:

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Das Kupfer aus dem Centstück soll die Spermien irritieren. Oder so. Das soll ein Protest sein, von wegen: Die Pharmaindustrie macht die Spirale so teuer, dabei kostet dieses komische spiralenartige Designdings mit Centstück nur 1,25 Euro. Aber dann gibt es einen fetten Disclaimer, in dem steht, dass das Ding nicht verhütungsfähig ist. Hach. Was man nicht alles nicht braucht.  

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Die Unterwäschemacher von Triumph knallen Deutschlands Litfaßsäulen gerade nochmal derart mit monsterbrüstigen BH-Frauen zu, dass man sicher weiß: Bald kommt die Rezession.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Weil, wie jeder Ökonom gelernt hat: Immer vor der Rezession wird der Busen noch ein letztes Mal nach Norden gepusht. Warum? Weil dann ja auch die Röcke kürzer werden. Wegen der Dienstmädchenhausse. Börsenlatein. Bär und Bulle. Stopp.

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Illustration: Julia Schubert

Beichtstuhl Soap. Hier "Verbotene Liebe" vor zehn Jahren.

Wir sind dabei, eine Liste aus dem Käsequatsch der Sexologie und des Partnertums zu zimmern. Da hat auch folgende Meldung Platz: Ein Forscher namens Barry Kuhle hat rausgefunden, dass Männer, deren Frauen einen Seitensprung beichten, vor allem interessiert, wie der Sex mit dem Fremden war. Die Frauen interessiert beim Mann hingegen, ob da denn echte Gefühle für die andere sind. Und wie hat Kuhle das rausgefunden? Er hat Studenten Soaps schauen lassen und die Reaktionen der Menschen in den Soaps ausgewertet. Ja, das sei ernst gemeint, sagt der Urheber, weil man echte Reaktionen ja nur schlecht auswerten könne, weil man bei echten Beichten ja schlecht dabei sein könne. Mag sein. Man lernt also was, beim Blick ins Hirn von Drehbuchschreibern. 

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Foto: Offizielle Beispielcheerleaderinnen für den folgenden Text.

Vielleicht muss man es auf Amerika schieben. Dort hat man Erfahrung darin, Echt und Unterhaltung zu vertauschen und das eine für das andere zu halten. Das merken gerade ein paar Cheerleader in San Jose. Die tanzen beim Cheeren in sauknappen Höschen rum und niemanden störts, alle finden es, emm, ansehnlich. Aber in die Schule dürfen die Mädels nicht mit den hotten Pants. Die seien zu hott, heißt es in der Schulleitung. Neuerdings werden allzu knapp bekleidete Schülerinnen in einen extra Raum geschickt. Dort müssen sie warten, bis die Eltern Kleidung gebracht haben. Da sagen die Cheerleader zurecht: Was ist der Unterschied zwischen Stadion und Schule? Tja. Das müssten die Lehrer wissen. Und die kennen den Unterschied offenbar auch nicht mehr.  

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert



Überhaupt und damit dann gut: Wie soll man denn eine ordentliche Sexualmoral verklickern? Geht das? Geht nicht, weinen sie in China. Da kriegen Sechsjährige den Geschlechtsverkehr und die Sache mit den Bienchen nun so beigebracht: „To let sperm find the ovum as soon as possible, dad inserts his penis into mom's vagina at full tilt and the sperm enters mom's vagina.“ Klare Ansage, aber die Eltern vertragen diese Wahrheit nicht, sie maulen über „Porno“ im Schulbuch, also über zuviel Wahrheit in der Schule. In der Soap, soviel steht fest, wäre das nicht passiert. Da ist die Wahrheit schöner. Und angenehm wahrer.

Text: yvonne-gamringer - Fotos: dpa, Reuters, afp, Screenshots, oh

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