Sexy Protest und wahre Liebe

Belagerungs-Kondome und Nacktproteste: Die Topsexliste versammelt heute Sexystuff rund um die weltweite Occupy-Bewegung.
valerie-dewitt

Wenn viele Menschen zusammenkommen ist die Wahrscheinlichkeit relativ groß, dass auch schöne Menschen darunter sind. Auf dem tumblr-Blog hotchicksofoccupywallstreet werden nun die Bilder und Filme der allerschönsten versammelt – allerdings nur der allerschönsten Damen, denn Männer sind meistens keine „Chicks". An diesem Wort rieben sich natürlich einige auf und Kritik wurde laut: Sexualisierung, Diskriminierung, Unverschämtheit! Auf dem Blog wehrt man sich mit der Veröffentlichung netter Zuschriften abgebildeter Frauen: „Just wanted to thank you for capturing the feminine side of the story and let you know that i do not care if you call me a hot chick. It's actually humorous and i love it!" Nahezu totschlagargumentativ ist es natürlich, wenn man den Segen einer stolzen Mutter hat: "As a mother of one of the ‚Hot Chicks' in this video I have to say I am very thankful that this is respectful." Und unter dem Deckmäntelchen der Sexyness ruft man nebenbei noch zu Spenden auf. Das sieht dann so aus: „Keep the Occupy Wall Street movement ‚hot' by making a donation and turning up the ‚heat' on corporatism." Als Inspiration für das Blog diente übrigens folgendes „video that started it all":

http://vimeo.com/30476100

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Xeni Jardin von boingboing vermutet, dass auch jemand von MTV beim Betrachten der „Hot Chicks" auf eine Idee gekommen ist: Eine Folge „True Life: I'm Occupying Wall Street" soll am 5. November gezeigt werden. Und dafür geht man nicht einfach hin und zieht per Zufallsprinzip jemanden aus seinem Schlafsack, sondern ruft zum Casting auf. Wenn dabei am Ende die schönste Bewerberin gewinnt, dann darf man ruhig noch mal einstimmen: „Sexualisierung, Diskriminierung, Unverschämtheit!"

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Illustration: Julia Schubert



Apropos Sexualisierung: Da gibt es diese Zwillingsschwestern, die angeblich über den Protest in Streit geraten sind, weil die eine die Wall Street belagert, die andere dort aber einen Haufen Geld verdient. Und wie betitelt gawker.com diese Geschichte? „Occupy Wall Street Turns Twin Hotties Against Each Other" – uff! Es geht noch weiter, denn im Artikel stößt man dann auf folgenden Satz: „Obviously, there is only one way to settle this. Hot Chicks of Occupy Wall Street twin fight!" Aber das alles ist natürlich „just kidding!" Genug gescherzt und genug Hotte Chicks, wir gehen zurück zum Protest.

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Illustration: Julia Schubert



Herzlich willkommen zurück beim Protest! Leider haben wir zu viel versprochen, denn da wir uns hier in der Topsexliste befinden, bleiben die Hot Chicks leider nicht aus. Diesmal sind sie aber immerhin in männlicher Begleitung, denn auch innerhalb der Occupy-Bewegung gibt es Vertreter aller Größen, Formen und Geschlechter, die gerne besonders provokativ sein möchten und sich darum einfach ausziehen. In Berlin zum Beispiel, wie man auf obigem Bild sehen kann. In der Schweiz ist bald übrigens die Nacktaktivistinnen-Gruppe „Femen" aus der Ukraine zu Gast und deren Anführerin Inna Shevchenko hat der Schweizer Boulevardzeitung „Blick" darum ein Interview gegeben. Shevchenko erzählt, Frauen der „Occupy Wall Street"-Bewegung schrieben ihr, „dass sie dort oben ohne protestieren wollen. Dank uns! Das ist fantastisch." Wenn das so weitergeht, wird es vielleicht bald Zeit für „Occupy your clothes".

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Dass es schöne und auch nackte Menschen auf den Plätzen und in den Zelten dieser Welt gibt, wissen wir nun also schon. Und natürlich ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass man sich dort auch mal näher kommt oder sogar so nah, dass nicht mal mehr ein Protestplakat zwischen zwei Körper passt. Ein 19-Jähriger, berichtet das New Yorker Blog gothamist, hat bei den Demonstrationen sogar seine Jungfräulichkeit verloren. Ein anderer hat seine Freundin betrogen, verteidigt sich aber gekonnt: "It's a natural human thing. It's part of our support structure. It's nice to have someone to care about. It's nice to have someone to hug and kiss." Liebe in Zeiten der 99 Prozent!

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Illustration: Julia Schubert



Geht der Trend der Bewegung etwa hin zur freien Liebe? Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor? Ja, Geschichte wiederholt sich eben, zumindest so ungefähr. Der freien Liebe oder besser gesagt der mit ihr eventuell einhergehenden Verbreitung von Krankheiten oder Nachwuchs sollten aber dann doch Grenzen gesetzt werden. Und weil man zwar überall Kondome kaufen kann, diese sich aber auch total gut zu Werbe- und Witzzwecken eignen, gibt es jetzt das exklusive „Occupy"-Kondom mit 99 Prozent Effektivitäts- und null Prozent Abzocke-Versprechen. Hoffentlich hält's.

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Illustration: Julia Schubert



Insgesamt wundert es uns nun nicht mehr, dass „Make love, not money" einer der Wahlsprüche der Proteste ist (Geschichte wiederholt sich eben, zumindest so ungefähr). Natürlich kann man auch allerhand Klimbim kaufen, auf dem das draufsteht, zum Beispiel bei cafepress.com. Die Klassiker, also T-Shirts, Kappen und Buttons, sind dort zu erwerben, es gibt aber auch Hunde-Shirts. Recht so, denn Hund die Geld machen (Lassie, Kommissar Rex) sind ohnehin total unsympathisch.

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Zum Schluss gibt es noch ein bisschen wahre Liebe, damit wir alle mit einem warmen Gefühl um unsere Herzen aus dieser Liste herausgehen: Ein junger Mann machte seiner Freundin mitten im Demogewimmel einen Heiratsantrag. „Will you occupy my life?", fragte er sie und Dank des berühmt-berüchtigten „human microphone" durften alle an diesem romantischen Moment teilhaben. Wir dürfen das auch, weil es einen Film davon gibt:

http://www.youtube.com/watch?v=3KzMT2u0nlE

Text: valerie-dewitt - Fotos: reuters, screenshots

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